Restaurierung Röhrenradio Luxor Sopran Teil 2 Drucken E-Mail
Montag, den 28. Januar 2013 um 08:18 Uhr

2. Teil über die Restaurierung des Röhrenradios Luxor Sopran 797W

Hier geht es zum 1. Teil

Im ersten Teil wurde das Chassis geputzt, die Kontakte gereinigt, die beweglichen Teile von Verharzungen befreit und wieder gängig gemacht. Ein Skalenseil und mehrere Kondensatoren wurden ersetzt, wodurch das Radio wieder funktionsfähig ist. Damit das Gehäuse mit Schellack einen neuen Lack erhalten kann, müssen im nächsten Schritt alle Teile vom Holzgehäuse demontiert werden.


Zur Erinnerung das Renovierungsobjekt: Ein Luxor Sopran 797W aus den 50er Jahren.

Als erstes habe ich den Kunststoffring auf der linken Seite des Radios entfernt. Dann kam der Lautsprecher an die Reihe. Um die Frontplatte gut schleifen und lackieren zu können, wurde auch diese ausgebaut und von allen Teilen, die meistens angeschraubt waren, befreit. Die Metall- und Kunststoffteile haben bei dieser Gelegenheit eine Reinigung und Politur erhalten. Nachfolgend ist wieder alles mit der Kamera festgehalten.

Entfernung der seitlichen Kunststoffblende:


Dieser Kunststoffring muss entfernt werden. Er ist mit drei Nägeln befestigt. Wie bekomme ich den Ring ab, ohne dass er zerbricht?


Nahaufnahme des Kunststoffrings.


Die Lösung: Einsprühen mit "Rostlöser", dann vorsichtig mit einem Stechbeitel und einem Schraubenzieher die drei Nägel heraushebeln.


Nun zeigt sich eine unbeschädigte Lackoberfläche, die Aufschluss über den ursprünglichen Glanz des Gehäuses gibt.


Der Ring nach einer Politur mit Autolackreiniger.

Ausbau und Reinigung des Lautsprechers:

Normalerweise ist es nicht notwendig einen Lautsprecher zu reinigen. Aber wenn er schon einmal ausgebaut wird, kann man dies bei dieser Gelegenheit vornehmen, um die ursprüngliche Oberflächenbeschaffenheit zu ergründen.


Hier wurde der Lautsprecher schon ausgebaut.


Seine Membran war völlig verstaubt. Angenehm ist das nicht, wenn die Musik den Staub aufwirbelt.


Einige Pinselbewegungen befreien den Lautsprecher vom Staub. Aber Vorsicht, dass die dünnen Drähte nicht beschädigt werden.


Zwei Dünne Drähte, die zur Spule führen. Sie können leicht abgerissen werden. Wir bearbeiten auch die Membran nicht mit Staubsaugern oder anderen groben Methoden.


Der Lautsprecherkäfig war von einer braunen Nikotinschicht überzogen, dass sich mit Brennspiritus und Tüchern abwischen ließ. Anschließend erfolgte eine Nachreinigung mit Glasreiniger. Vorsicht, dass keine Reinigungsflüssigkeit auf die Membran gelangt. Dann entstehen Flecken. Wenn der Lautsprecher in 50 Jahren wieder ausgebaut werden sollte und die Flecken zum Vorschein kommen, gibt das Punkteabzug.


Um den Aufkleber nur herumwischen. Der Gleichstromwiderstand des Lautsprechers hatte 6,5 Ohm.


Auch hier sind dünne Drähte, die durch zu eifriges Putzen gefährdet sind.


Der Lautsprecher kommt dann zur Zwischenlagerung in einen verschließbaren Karton. Lautsprecher, die ungeschützt herumliegen, laufen regelmäßig Gefahr durch heruntergefallene Schraubenzieher und so weiter beschädigt zu werden. Die restlichen Kleinteile werden auch sorgfältig gelagert und sortiert. Beschriftungen helfen beim Zusammenbau.

Ausbau der Frontplatte:


Noch einmal das Bild der Frontplatte. Um sie nach hinten herausklappen zu können, müssen an ihrem Rand zahlreiche Schrauben gelöst werden.


Gehäuse von vorne ohne die Frontplatte.


Die vordere, rechte, untere Ecke des Radiogehäuses: In dieser Nut sitzt das Frontbrett und ist unten von hinten zusätzlich mit zwei kleinen Schrauben befestigt.


Seltener Anblick einer Ecke der Rückseite, der sich nach dem Ausbau der Frontplatte eröffnet. Hier schadet etwas Leim nicht.


Nun können alle Teile abgeschraubt werden. Links die Feder für das Seil, welches auf der Vorderseite dafür sorgt, dass sich die Zeiger für UKW und AM nicht behindern, rechts der Metallwinkel, auf der die Skalenlampenhalterung gesteckt werden kann.


Auf der Frontplatte sind noch einige Teile, die für das Schleifen entfernt werden sollten. Die beiden Holzleisten für das Skalenglas ließen sich mit dem Stechbeitel einfach lösen, da sie nur jeweils mit zwei Nägeln befestigt waren.


Das Luxorschild besteht aus Kunststoff.


Es ist einfach nur in einem Loch aufgesteckt. Dadurch lässt es sich von hinten herausdrücken. Dieses Loch ist allerdings erst nach dem Ausbau des Lautsprechers zugänglich.


Beleuchtet man das Schild von hinten, leuchtet die Schrift auf. Vielleicht war das mal geplant, aber wurde dann als zu kitschig angesehen.


Die Rückseite des Luxorschildes. Ich widerstehe der Versuchung eine Leuchtdiode einzubauen.


Das Luxorschild als Großansicht, weil es so schön ist.


Die Kleinteile, die im Zuge des Frontplattenausbaus entfernt wurden.


Das ist die Halterung für das magische Auge. Ich habe sie mit der Polierscheibe und blauer Polierpaste poliert. Nach der Aufnahme wurde sie mit Autolackreinger auch Hochglanz poliert. Jetzt kann man sich darin spiegeln. Natürlich ist das nicht notwendig. Ich wollte nur mal einige Poliertechniken ausprobieren.


In der Putzwut des Radiobastlers entsteht noch mehr Glanz mit Autolackreiniger und einem weichen Baumwolltuch.

 


Die Frontplatte ist bereit zum Schleifen. Sie besteht aus zwei zusammengeleimten Sperrholzbretteren, welche furniert sind.


Die Lackierarbeiten werden noch eine Herausforderung, damit nicht zu viel von dem Lack in die Nuten fließt. Außerdem soll der Farbunterschied erhalten bleiben. Ich werde deshalb den Schellack nur ganz dünn in stark verdünnter Lösung auftragen.

Beim Zerlegen eines solchen Radios, versteht man, warum ein Radio damals so teuer war. Das Schöne an dieser Technik ist, dass sie sich buchstäblich begreifen lässt und dass sie sich auch nach Jahrzehnten noch reparieren lässt, wobei eine Vielzahl von unterschiedlichen handwerklichen Tätigkeiten gefordert (und gefördert) werden.


Fertigung von Radioapparaten 1934 in den Luxor-Werken in Motala, Strandvägen, Schweden (Bildquelle: Wikipedia).

Das Interessante an diesem Hobby ist auch, dass man eine Menge lernt und Schritt für Schritt alte Technik und damit Technikgeschichte erforschen kann.

Weiter zum 3. Teil

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 07. März 2015 um 12:34 Uhr
 
3. Februar 2017

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