Hellschreiben mechanisch und mit der Soundkarte Drucken E-Mail
Geschrieben von: Volker Lange-Janson   
Freitag, den 26. Juni 2009 um 20:51 Uhr

Hellschreiben mechanisch und mit der Soundkarte

Heute wird Hellschreiben mit Soundkartenprogrammen ermöglicht. Doch in den Anfängen kam als technische Lösung nur die Mechanik in Frage, als vor über 70 Jahren Rudolf Hell den nach ihm benannten Hellschreiber erfunden hatte.

Bildaufbau und SendenockenscheibeDas mechanische Verfahren: Buchstaben werden als kleine Bilder übertragen. Dazu reicht für den einzelnen Buchstaben ein sehr grobes Raster aus. Störungen können hierbei das Bild zwar verschlechtern, jedoch das empfangene Zeichen nicht gänzlich unleserlich machen. Diese Redundanz ist der wesentliche Vorteil gegenüber RTTY.

Das Bild links zeigt die Sendenockenscheibe und das Raster für den Buchstaben E.

Jedes Buchstabenfeld besteht aus 7 senkrechten Linien, davon 5 zur Erzeugung des Buchstabenbildes. Jede Linie ist aus 7 weißen oder schwarzen Teilen zusammengesetzt. Das Bildfeld besteht also aus 49 Bildelementen. Die Anzahl der Stromstöße je Buchstabe ist dann verschieden.

Die Tastatur des Senders entspricht der einer normalen Schreibmaschine. Für jedes Zeichen und jeden Buchstaben existiert eine gesonderte Nockenscheibe. Beim Anschlagen einer Taste wird die entsprechende Nockenscheibe in Gang gesetzt, die für jeden Buchstaben eine Umdrehung ausführt. Dadurch wird die nötige Zahl von Stromstößen erzeugt.

Sektor I (1) der Sendenockenscheibe liefert den Startschritt S (gestrichelte Felder) und setzt bei jedem Buchstaben den Empfangsmechanismus in Gang. Der Sektor VII (7) hingegen liefert den Sperrschritt Sp und stoppt den Empfangsmechanismus.

Die Mechanik des Empfängers: Eine dauernd umlaufende Die Mechanik des EmpfängersSpindel (siehe nebenstehende Abbildung) mit einem scharfkantigen schraubenförmigen Wulst dreht sich und macht je Linie eine Umdrehung. Der Elektromagnet drückt bei jedem Stromstoß mit einer breiten Schneide ein Papierband gegen den umlaufenden Spindelwulst, welcher mit Druckerschwärze eingefärbt ist. Bei Synchronlauf entsteht dann ein Bild des Buchstabens auf dem Papierstreifen. Dabei verrichtet die Spindel 7 Umdrehungen pro Buchstaben - für jede Linie (Spalte) also eine Umdrehung.

Bei zu schnell oder zu langsam laufender Spindel wandern die Buchstaben aus dem Papierstreifen hinaus. Daher ist der Schraubenwulst zweigängig ausgeführt, so daß die Buchstaben doppelt übereinander abgebildet werden. Dadurch bleibt die Schrift trotz Auswanderung lesbar.
Mechanischer Hell-Schreiber von 1944, Bild: ZL1BPU

Der Hell-Schreiber wurde auch als Blattschreiber gebaut, war vollsynchronisiert und bildete die Buchstaben nur einmal ab. Die Schreibgeschwindigkeit von 2 1/2 Zeichen je Sekunde bei Handtastung konnte mit einem Lochstreifensender verdoppelt werden. Der Siemens-Hell-Schreiber hatte in den 40er und 50er Jahren eine weite Verbreitung gefunden.

(Quelle: Bertelsmann Bildungsbuch 1956, Seite 1314-1315)

Das Foto links zeigt einen Hell-Schreiber von 1944 (Bild von ZL1BPU).

Hellschreiben mit der Soundkarte: Heute stehen für das Hellschreiben eine Reihe von kostenlosen Windows- und Linux-Programmen für die Soundkarte zur Verfügung, die dem Funkamateur das Hellschreiben mit dem PC ermöglichen. Hellschreiben funktioniert zum Beispiel mit dem Hellschreiber-Programm von IZ8BLY, das unter http://xoomer.virgilio.it/aporcino/Hell/index.htm zu finden ist.

Mit dem bekannten MixW ist Hellschreiben ebenfalls möglich. Das kostenlose fldigi für Linux oder Windows (http://www.w1hkj.com/Downloads.html) ist ebenfalls in der Lage Hellschreiben sende- und empfangsmäßig auszuführen.

Hellschreiben mit fldigi
Ein mitgeschriebenes Feldhell-QSO auf dem 80m-Band (3584 kHz) zwischen SM3AGH und SM3AVQ mit dem Soundkarten-Programm fldigi.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 11:49 Uhr
 
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