Lohnt sich die Aufrüstung eines 12 Jahre alten Notebooks? Drucken E-Mail
Freitag, den 04. August 2017 um 10:52 Uhr

Lohnt sich die Aufrüstung eines 12 Jahre alten Notebooks am Beispiel des LG LM70 Express PKMV?

Ja, es lohnt sich unter Umständen tatsächlich. Vor einigen Jahren ersteigerte ich für etwa 60 Euro ein altes Notebook Baujahr 2005. Eine solche "alte Kiste" lässt sich tatsächlich noch sinnvoll einsetzen und eine Aufrüstung lohnt sich bis zu einem gewissen Grad, wenn man Freude am PC-Basteln hat. Und das Surfen im Web geht sogar flott! Wer an PC-Spielen kein Interesse hat, ist mit einem alten Notebook noch gut bedient.

Bei dem Notebook handelt es sich um ein LG LM70 Express (LG LM70-PKMV), das aus dem Jahr 2005 stammt und damals weit über 1000 Euro gekostet hatte. Unter

http://www.freeviewrepair.com/laptop/lg543/LG%20LM60,%20LM70%20SM.pdf

befindet sich die Reparaturanleitung (Service Manual).


Notebook LG LM70 Express aus dem Jahr 2005. Das silberfarbene Design war damals angesagt.

Ursprünglich wurde dieses Notebook mit Windows XP und 512 MB RAM ausgeliefert. Inzwischen ist Windows XP veraltet. Microsoft liefert seit dem Jahr 2014 keine kostenlosen Sicherheits-Updates mehr für dieses Betriebssystem. Im Jahr 2005 kostet der Arbeitsspeicher noch richtig viel Geld und die ursprünglich sparsam eingesetzten 512 MB RAM sind für heutige Anforderungen viel zu klein. Als CPU arbeitet in diesem Notebook ein Pentium M mit 1,86 GHz Taktfrequenz.


Erweiterung des RAM: Die Erweiterung des Arbeitsspeichers (RAM) ist die einfachste und wirkungsvollste Maßnahme einem Rechner zu mehr Leistungsfähigkeit zu verhelfen. Ein Vorbesitzer hatte die 512 MB RAM bereits um 1 GB auf 1,5 GB erweitert. Die gelingt recht einfach, da auf der Unterseite noch Platz für einen weiteren RAM-Baustein (DDR2-SODIMM) vorhanden ist, der maximal 1 GB groß sein darf.


DDR2-SODIMM-Speicherbaustein.


Der Steckplatz für die Erweiterung des RAM ist von unten leicht zu erreichen.

Etwas schwieriger war es den herstellerseitig eingebauten 512 MB großen RAM-Baustein zu finden, um ihn zu ersetzen. Er sitzt unterhalb der Tastatur, die dafür zu enfernen ist. Diesen Baustein ersetzte ich ebenfalls durch einen 1 GB großen RAM-Baustein, so dass nun die vom Mainboard oder Bios maximal unterstützte Größe von 2 GB zur Verfügung steht. Wie die Tastatur zu entfernen ist, ist im Service Manual beschrieben. Dort gibt es allerdings keinen Hinweis auf den zweiten RAM-Steckplatz unterhalb der Tastatur.


Um an den werksseitig eingebauten RAM-Baustein durch einen größeren ersetzen zu können, ist die  Tastatur zu entfernen. Wie das geht, ist im Service Manual nachzulesen.

Die Aufrüstung auf 1,5 GB zeigt einen deutlichen Effekt, da beim Surfen mit dem Browser meist mehr als 1 GB RAM belegt sind. Sind im Browser viele Seiten gleichzeitig geöffnet, werden die 1,5 GB auch recht schnell überschritten, weshalb sich eine Aufrüstung auf 2 GB lohnt, da die Preise für gebrauchte DDR2-SODIMM-RAMs sehr stark gefallen sind. Insgesamt haben die 2 GB RAM um die 10 Euro gekostet. Die Erweiterung des RAM hat den größten Effekt bei relativ geringen Kosten.

Wäre dieses Notebook nur mit den werkseitigen 512 MB Arbeitsspeicher bestückt, würde die einfachste und effektivste Aufrüstung darin bestehen auf der Rückseite einen 1 MB großen DDR2-SODIMM-Arbeitsspeicher einzubauen. Der Vorgang dauert nur ein paar Minuten und der Arbeitsspeicher ist gebraucht für wenige Euro erhältlich.

Übrigens habe ich die Kontakte der RAM-Bausteine vor dem Einbau mit einem Radiergummi gereinigt. Kontaktschwierigkeiten sind eine häufige Ursache bei der Fehlermeldung von RAM-Bausteinen. Sollte es dennoch Schwierigkeiten geben, können die beiden RAM-Bausteine zur Probe vertauscht werden. Mehr Tipps zur RAM-Erweiterung steht unter Arbeitsspeicher für Laptops erweitern.


Windows XP durch Window 7 Pro ersetzen und die fehlenden Treiber installieren: Vorab sei erwähnt, dass sich Betriebssysteme bei diesem Notebook von einer DVD oder CD-ROM installieren lassen.

Windows XP ist veraltet. Im ersten Anlauf ersetzte ich es durch Lubuntu 12.04, was problemlos funktionierte. Allerdings konnte Lubuntu nicht die maximal mögliche Bildschirmauflösung erzielen. Erst später entdecke ich im Internet die passenden Grafik-Treiber für den Grafik-Chip Radeon RV380 oder X600, M24.

Da sehr viele Leser Windows den Vorzug geben, versuchte ich Windows 10 zu installieren. Entweder funktionierte WLAN nicht oder der Sound wurde nicht unterstützt. Zudem lief Windows 10 viel zu langsam und schwerfällig. Mit Windows 10 ist die Hardware des alten Notebooks überfordert.

Windows 7 Pro SP1 ließ sich ohne Probleme installieren. Die Regiestrierungsschlüssel gibt es bereits ganz legal für ein paar Euro in der Bucht und das Betriebssystem selbst lässt sich von Microsoft-Seite direkt herunterladen oder von http://winfuture.de/downloadvorschalt,3291.html. Dort steht auch eine Anleitung für das Brennen einer bootfähigen DVD. Auf dem alten Notebook läuft nur die 32-Bit-Version.

Leider wird zum jetzigen Stand Windows 7 nur noch bis zum Jahr 2020 von Microsoft mit kostenlosen Sicherheits-Updates versorgt. Danach wäre eine Linux-Distribution eine sichere Alternative, die zudem kostenlos ist.

Nach der erfolgreichen Windows-Installation musste der WLAN-Treiber von Intel nachinstalliert werden. Wesentlich schwieriger war die Installation des Soundkarten-Treibers, der nur für Windows XP vorlag und sich im ersten Anlauf einer Installation widersetzte. Windows 7 Pro erlaubt zum Glück einen XP-Modus, wodurch die Installation des Soundkarten-Treibers schließlich gelang (im Ordner Driver die CMIRMDRV.EXE ausführen, wenn ich micht richtig erinnere). Bei der Suche nach passenden Treibern hilft auch das kleine kostenlose Windows-Progrsmm CPU-Z, das Auskunft über die Hardware des Rechners liefert.

Die passenden Treiber für Windows 7 konnte ich schließlich auf

http://www.lg.com/se/support/support-product/lg-LM70-PKMV und

http://www.driverscape.com/manufacturers/lg/laptops-desktops/lm70-pkmv/109715

finden. Vor der Installation der Treiber ist es immer ratsam einen Wiederherstellungspunkt zu setzen.


Treiber für den Card Reader R139212 unter Win7 installieren: Schwierigkeiten bereitete die Installation des Treibers für den Card Reader, der auf dem Intel-Chip R139212 basiert. Nach der Installation des Treibers auf der Seite von LG berichete der Gerätemanager, dass das Gerät einwandfrei arbeiten würde. Allerdings funktionierte der Card Reader nicht. Abhilfe schaffte eine  Deinstallation des Treibers und des Geräts im Gerätemanager. Danach kam der Treiber https://downloads.dell.com/chipset/R139212.EXE zum Einsatz, der eigentlich nur für Windows XP vorgesehen ist. Die Datei ist zu Entpacken. Dann die darin enthaltene Exe-Datei  im XP-Modus auszuführen. Schließlich ist ein Neustart von Windows erforderlich. Übrigens hatte ich die Kontakte des Card Readers vorsorglich mit ölfreiem Elektronikreinigungsspray behandelt.


An der linken Seite des LG LM70 sitzt der Card Reader zum Lesen und Schreiben von SD-Karten.

Wer den Aufwand scheut den Treiber zu installieren, kann zum einem USB-Adapter für SD-Karten greifen. Diese Adapter kosten um die ein Euro.

Ein neu installiertes Windows bequem updaten: Um Windows bequem auf den neuesten Stand seiner Sicherheits-Updates zu bringen, bietet Winfuture entsprechende Update-Packs an. Unter http://winfuture.de/downloadvorschalt,2671.html ist das Update-Pack für Win7 SP1 erhältlich.


Welche zusätzliche Anwendungssoftware ist sinnvoll? Zusätzlich installiert habe ich folgende kostenlose Programme, die für meine Bedürfnisse zur Grundausstattung gehören.

Bildbetrachtungssoftware IrfanView
Video-Audio-Player VLC von VideoLan
Web-Browser Chrome
Web-Browser Firefox
Internet-Explorer 11.0 (falls bestimmte Webseiten es in Ausnahmefällen erfordern)
E-Mail-Programm Thunderbird
Skype für Audio-Video-Chats
Super AntiSpyware Free Edition

Von der Installation kostenloser Office-Pakete wie LibreOffice oder OpenOffice habe ich abgesehen, da mir das in Window 7 Pro enthaltene Schreibprogramm für die Erstellung und Bearbeitung von RTF-Dateien ausreicht.

Mit Chrome gelingt trotz der veralteten Hardware mit 1,5 GB RAM ein flüssiges Surfen und ein ausreichend schneller Seitenaufbau. Youtube-Videos laufen im Fenster ohne zu ruckeln. Im Vollbild-Modus ist der Rechner überfordert. Firefox und der Internet-Explorer sind wesentlich langsamer. Übrigens lassen sich auch Youtube-Videos mit VLC streamen, was die CPU weniger belastet.


Zwischenbilanz: Mit Kosten von weniger als 10 Euro für die Erweiterung des Arbeitsspeichers und die Beschaffung des Windows-Registrierungsschlüssels lässt sich das alte Notebook alltagstauglich aufrüsten. Wer sich für Linux als Betriebssystem entscheidet, kommt noch günstiger weg.


Die Lithium-Ionen-Zellen im Akku-Pack ersetzen: der mitgelieferte Akku war tot und spannungslos. Zwar gibt es günstig Erstatzakkus zu kaufen, dennoch entschloss ich mich ihn zu öffnen und die darin enthaltenen sechs Li-Ion-Zellen auszutauschen. Unter Akkuzellen eines Laptop-Akkupacks tauschen ist die genaue Vorgehensweise beschrieben.


Geöffneter Akku-Pack. Es kommen sechs Lithium-Ionen-Akkus der sehr weit verbreiteten Bauform 18650 zum Vorschein.

Sechs neue Li-Ionen-Akkuzellen mittlerer Qualität der Bauform 18650 hatten mich insgesamt 15 Euro gekostet. Da vier der sechs alten Akkuzellen noch in Ordnung waren, hätte es gereicht drei davon in Reihe zu schalten, womit mir keine zusätzlichen Kosten entstanden wären. Allerdings wäre dann nur mit einer Akkulaufzeit von einer halben Stunde zu rechnen. Diese Maßnahme kann zum Beispiel sinnvoll sein, wenn nur kleinere Stromausfälle mit dem Akku abgefangen werden sollen.
 

Reinigung des Gehäuses: Oft wurden die Kunststoffoberflächen der gebrauchten Notebooks nie gründlich gereinigt. Für die Entfernung der Fett- und Schmutzschichten haben sich Haushaltspapiertücher bewährt, die mit Glasreiniger angefeuchtet wurden. Mit einem gereinigten Notebook macht das Arbeiten viel mehr Spaß.


Die CPU durch eine schnellere ersetzen? Das Notebook ist mit einem Pentium M Dothan 1,86 GHz bestückt. Laut dem Handbuch des LG LM70 läuft auf dem Mainboard auch ein Pentium M Dothan 2,13 GHz, der bereits für um die 5 Euro in der Bucht erhältlich ist. Die Aufrüstung würde eine Geschwindigkeitssteigerung von 14% bedeuten, was sich in der Praxis kaum bemerkbar machen würde. Wer Freude daran hat, kann es ja probieren. Für den CPU-Wechsel reicht es den LG LM70 von oben zu öffnen. Ob ein Pentium M Dothan 2,26 GHz noch vom Board und vom Bios unterstützt wird, ist fraglich. Nach dem Tausch des Pentium M muss Windows 7 jedenfalls nach meinen Recherchen nicht neu installiert werden.


Ein Pentium M Dothan. Gebraucht sind CPUs diesen Typs für eine Rechner-Aufrüstung günstig erhältlich ( Bild-Quelle: Wikipedia).


Die mechanische Festplatte durch eine SSD ersetzen: Eine SSD ist eine "Festplatte", die ganz ohne Mechanik auskommt und aus einem Halbleiterspeicher besteht. Neben dem geräuschlosen Betrieb ist die schnelle Zugriffszeit ihr größter Vorteil. Betriebssysteme booten mit einer SSD wesentlich schneller. Allerdings dauerte bei meinem Notebook das Booten von Windows 7 immer noch 30 Sekunden, was relativ langsam ist.  Dennoch geht das Booten schneller als von einer mechanischen Festplatte. Wie ein Rechner mit einer SSD aufzurüsten ist, ist unter Eine alte mechanische Festplatte durch eine SSD-Festplatte ersetzen ausführlich erklärt. Zum dem entfällt eine Neuinstallation, da sich mit entsprechenden Programmen der gesamte Inhalt der Festplatte auf die SSD 1 zu 1 übertragen (clonen) lässt.


Eine 2,5-Zoll-SSD ist wesentlich flacher als eine mechanische Festplatte. Eine SATA-SSD hat die gleichen Anschlüsse wie die zu ersetzende SATA-Festplatte, weshalb sich ein Austausch einfach gestaltet.

Die SSD-Festplatte schlug mit etwa 60 bis 70 Euro zu Buche und war damit die teuerste Maßnahme mit dem geringsten Effekt. Dennoch möchte ich den zusätzlich gewonnen Komfort nicht mehr missen. Eine SSD soll laut Herstellerangaben eine Laufzeit von 10 Jahren besitzen. Sollte mein Notebook also vorher das Zeitliche segnen, lässt sich ihre SSD immer noch in einem anderen Rechner weiter verwenden.


Zusammenfassung: Mit weniger als 10 Euro Investitionskosten durch ein neues Betriebssystem und einer RAM-Erweiterung kann ein 12 Jahres altes Notebook bereits wieder Alltagstauglichkeit erlangen. Mit einer Gesamtinvestition von etwa 70 Euro einschließlich der Anschaffungskosten für das gebrauchte Notebook erlangte das gute Stück südkoreanischer Technik bereits Alltagstauglichkeit. Ein toter Akkupack lässt sich manchmal ohne zusätzliche Kosten oder für wenig Geld wiederbeleben, wenn es nur auf kurze Laufzeiten ankommt, um kleinere Stromausfälle zu überbrücken, oder wenn man für einen Wechsel des Arbeitsplatzes nicht das Notebook herunterfahren möchte. Eine SSD stellt einen angehnehmen Luxus dar, der nicht notwendig ist.

Alles in allem hat mich der ganze Spaß weniger als 150 Euro gekostet. Gebrauchte Notebooks mit Dual-Core-CPUs und einem vorinstallierten Windows gibt es jedoch bereits für um die 200 Euro, so dass sich die Aufrüstung sehr alter Notebooks nur im Einzelfall für jene lohnt, die Freude am Basteln haben. Selbstverständlich macht das Arbeiten mit einem selbst aufgerüsteten Notebook besonders viel Spaß.

Meine Beweggründe in dieses alte Notebook zu investieren, waren seine sehr angehneme Tastatur, sein solider Aufbau, seine geringe Geräuschentwicklung und sein sehr gut lesbarer und großer Bildschirm mit seiner hohen Auflösung.

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 22. August 2017 um 12:52 Uhr
 

3. Februar 2017

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