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Donnerstag, den 10. September 2015 um 06:38 Uhr

 

Netzwerk-Basteleien aus PC- und Elektronikschrott

Kann man noch etwas Sinnvolles aus veralteten Smartphones, PCs, Druckern, Routern und anderen Netzwerkgeräten machen? Diese Frage stellte ich mir auch, als ich den Entschluss fasste mich von einigen alten Sachen zu trennen, um wieder Ordnung im Keller zu schaffen. Übrigens hatte ich vieles mal geschenkt bekommen, denn ich scheine den Ruf zu haben ein williger Abnehmer für Elektronikschrott zu sein.

Wie kommt man zu einem Druckerserver für einen alten Drucker mit einer Parallelschnittstelle? Aus einem alten PC, einem alten Laserdrucker mit Parallelschnittstelle und einem alten Wlan-Modem ist dann tatsächlich etwas entstanden, was einen gewissen praktischen Nutzen hat.


Soll man so eine "alte Kiste" aus dem Jahr 1999 verschrotten?


Das Booten dauert eine kleine Ewigkeit und reicht für eine Kaffeepause am Morgen. Man beachte den Speichertest. Damals hatte man wohl noch mehr Zeit.

500-MHZ-Pentium-Rechner aus dem Jahr 1999: Auf seinem Mainboard ist die Bezeichnung "Medion 9901" zu erkennen. Nach meinen Recherchen handelt es sich um einen PC aus dem Jahr 1999, der von einem Discounter einst mit Windows 98 vertrieben wurde. Dem Rechner verpasste ich mehr Arbeitsspeicher. Mehr als etwa 500 MByte RAM konnte das Board bei meinem Versuchen nicht erkennen. Natürlich bekam der Rechner auch eine große IDE-Festplatte, von denen ich noch einige herumliegen hatte. Welches Betriebssystem soll ich nehmen? Diverse Versuche mit Linux-Distributionen waren unbefriedigend. Schließlich funktionierte Windows XP, das die Treiber für die Sound- und für Grafikkarte gleich mitlieferte und installierte. Der Versuch Wlan-Karten verschiedener Hersteller zu installieren, gelang unbefriedigend. Deshalb installierte ich eine LAN-Karte, die mit Hilfe des vom Hersteller zur Verfügung gestellten Treibers auch einwandfrei funktioniert. Allerdings ist die "alte Kiste" für das Surfen im Internet mit dem neuesten Firefox hoffnungslos überfordert.


Der geöffnete Rechner aus dem Jahr 1999. Dem sorgfältigen Beobachter fällt auf, wo sich die Knopfzelle befindet.

Das Schöne an dem Rechner ist, dass er ohne Maus, Tastatur und Bildschirm bootet. Danach läuft dann Windows im Netzwerk vor sich hin. Und per Knopfdruck auf die Einschalttaste lässt er sich sogar Herunterfahren. Ich kann diesen PC zum Beispiel als Datenspeicher im Netzwerk verwenden. Gleichzeitig dient er mir auch als Heizlüfter im Keller, denn der Stromverbrauch ist nicht zu verachten.

Es gibt natürlich intelligentere Alternativen mit weniger Stromverbrauch für die zentrale Datenspeicherung im hauseigenen Netzwerk: Zum Beispiel eine Festplatte als NAS. Bei den meisten Fritz!Boxen kann ein USB-Stick eingesteckt werden, der als Netzwerkspeicher dient.

Alter Laser-Drucker Brother HL-730 Plus: Dieser Drucker funktioniert noch einwandfrei und die Toner-Kassetten sind in der "Bucht" auch noch erhältlich. Leider  hat dieser Drucker für den Anschluss nur eine Parallelschnittstelle, der bei den modernen Rechnern fehlt. Es wäre ja schön, wenn dieser Drucker als Ersatz sofort einsatzbereit wäre. Nichts ist ärgerlicher, wenn der einzig vorhandene Drucker streikt. Mein alter Rechner könnte nun als Drucker-Server im Netzwerk dienen. Windows XP hatte schon den passenden Druckertreiber. Sicherlich hätte ich mir auch einen Adapter kaufen können, der einen Parallelport-Drucker netzwerkfähig macht. Aber ich wollte es aus PC-Schrott machen.


Der Laserdrucker Brother HL-730 Plus als Netzwerkdrucker für den Notfall, wenn der andere ausfällt.

Leider hat meine Werkstatt nur einen LAN-Anschluss, der schon belegt ist. Also muss ein Switch her, der weitere LAN-Anschlüsse zur Verfügung stellt. Dann kann ich auch meinen alten Rechner ans Heimnetzwerk anschließen.

Alter Router als Switch und Wlan-Accesspoint: In einer Kiste entdeckte ich einen alten Router mit der Bezeichnung "NETGEAR WGT624". Da er vier LAN-Anschlüsse besitzt, kann er auch als Vier-Port-Switch Verwendung finden.

Nach einer Anleitung von NETGEAR lässt sich dieser Router auch als Wlan-Access-Point betreiben. Bei vielen anderen Routern geht das auch. Dieser Accesspoint stellt bei mir über Wlan einen weiteren drahtlosen Zugang zum Internet und zum Heimnetzwerk dar. Ich habe bereits einen Wlan-Zugang. Allerdings ist der Empfang im Keller und im Wohnzimmer schlecht. Deshalb kommt mir ein weiterer Zugang auf einem anderen WLAN-Kanal gerade recht. Der zusätzliche Wlan-Accespoint steht im Keller direkt unterhalb des Wohnzimmers. Die Holzdecke dämpft das Signal zum Wohnzimmer hin nur geringfügig. Leider arbeitet der neue Wlan-Anschluss bei mir nur mit Rechnern und Endgeräten, bei denen eine statische IP vergeben wurde. Als Router musste ich in den Endgeräten die IP des Hauptrouters eingeben, welcher die Verbindung zum Internet liefert.


Der Accesspoint baumelte erst einmal an der Wand. So darf man das natürlich nicht machen.


Schließlich fand der Accesspoint dann doch einen würdigen Platz, der auch die Anzeigen zu erkennen gibt. Bei Datenverkehr fangen die Ziffern wild an zu blinken.

Der alte Router liefert mir nun stabile Wlan-Verbindungen im Wohnzimmer für mein Tablet-PC. Außerdem kann ich meinen Drucker-Server daran betreiben und ich habe noch einen freien LAN-Anschluss für PC-Experimente in meiner Werkstatt. Und all das hat mir keinen einzigen Cent gekostet.

Thomson Speedtouch 716 WL als Switch und Wlan-Accesspoint: Dieser fast 10 Jahre alte Router lässt sich auch als Switch und Wlan-Accesspoint nutzen. Es handelt sich genau genommen um einen WLAN-Router mit Modem und VoIP. Bei diesem Router habe ich nur seine IP-Adresse geändert, weil die ursprüngliche IP schon belegt war. Dann musste ich nur noch dem Wlan eine neue SSID, einen anderen Kanal und ein anderes Passwort vergeben. Schon hatte ich einen weiteren Wlan-Accesspoint und ein 4-Port-Switch. Ob an ihm VoIP funktioniert, wäre interessant zu wissen. Unter http://www.speedtouchforum.de/ gibt es Hilfestellungen zu diesem und anderen Speedtouch-Routern.

Eine genaue Beschreibung ist unter SpeedTouch 716WL und 780WL als Wlan-Accesspoint konfigurieren erhältlich.

Wie die meisten Router wird auch dieser recht warm. Der Stromverbrauch ist also recht hoch im Vergleich zu einem modernen Switch, der mit einem Energiesparmodus versehen ist. Deshalb ist es mit Rücksicht auf die Stromrechnung nicht empfehlenswert solche Router unnötig Tag und Nach durchlaufen zu lassen.


Mit einem ausgedienten Thomson Speedtouch 716 WL funktioniert es übrigens auch. Er dient als Vier-Port-Switch und Wlan-Accesspoint. Ob sich Telefone an den beiden VoIP-Anschlüssen betreiben lassen, wäre ein weiterer Versuch wert.

Altes Smartphone als Wifi-Router oder Wlan-Zugang: Ich nutze ein Windows-Mobile-Smartphone aus dem Jahr 2007 als Internetzugang über das Mobilfunknetz oder als Zugang zu meinem Wlan. Dies gelingt mit kostenloser Software für Windows Mobile. Wer ein Smartphone mit Android besitzt, hat es noch einfacher. Unter "Ein uraltes Windows-Mobile-5.0-Smartphone als Wifi-Router für den Internetzugang über das Mobilfunknetz" ist beschrieben, wie ein altes Windows-Mobile-Smartphones im Handumdrehen einzurichten ist.


Über einen Mobilfunkanbieter geht es ins Internet mit einem alten Smartphone, das per USB-Kabel mit dem Notebook verbunden ist. Wer hätte gedacht, dass solche alten Smartphones noch alltagstauglich sind? Mit dem alten Smartphone kann das Notebook auch eine Verbindung zum einem Wlan-Netz aufbauen.

Ein altes Smartphone als Wifi-Radio: Wifi-Radios für das Streamen von Internetradio-Stationen sind teuer. Es geht aber auch fast umonst. Fast jedes Smartphone kann Radiostationen aus dem Web streamen. Mit einem kleinen FM-Transmitter lässt sich dieser Stream auf den alten UKW-Radios empfangen, von denen es ja in den Haushalten meistens jede Menge gibt. Wie die Internetradiostationen in das UKW-Radio kommen, ist unter "Was kann ein uraltes Smartphone mit Windows Mobile noch leisten?" beschrieben.


Ein altes Smartphone empfängt über Wlan Radiostationen aus dem Internet. Ein kleiner UKW-Transmitter sendet das Signal weiter an ein normales UKW-Radio.

Ein alter Rechner im Karton bringt Filme über das Netzwerk ins Wohnzimmer: Wir haben uns immer noch nicht von unserem alten Röhrenfernseher mit SCART-Anschluss getrennt. Inzwische holen wir uns die meisten Programmangebote über das Internet herein. Entweder laden wir die Filme vorab herunter oder wir streamen sie direkt. So oder So dient dazu ein Rechner aus alten PC-Teilen, der im Regal unterhalb des Fernsehers untergebracht ist. Unter "Ein PC als Versuchsaufbau im Pappkarton" steht mehr dazu.


Aus dem PC im Pappkarton als Versuchsaubau entwickelte sich ...


... eine von meiner besseren Hälfte akzeptierten Dauerlösung im Wohnzimmer für unterhaltsame Fernsehabende. Die alte Stereoanlage darunter hatte ich mal auf einem Flohmarkt für umgerechnet 5 Euro erworben und liefert einen kraftvollen Sound. Zwei schöne Lautsprecherboxen, die zur Stereoanlage passen, durfte ich kostenlos vom Recyclinghof mitnehmen. Unglaublich, was alles an Werten aus Unwissenheit verschrottet wird.

Eine uralte Fritzbox Fon ermöglicht das kostenlose Telefonieren über das Internet: Diese alte Fritzbox kann noch nicht einmal Wlan. Deshalb würde sie normalerweise auf den Schrott landen. Aber an diese Box können zwei ganz normale analoge Telefone angeschlossen werden. Es können auch schnurlose Telefone sein, wie das bei mir der Fall ist. Damit kann ich jetzt mit Hilfe von VoIP (Voice over IP) kostenlose Gespräche innerhalb des gleichen VoIP-Anbieters führen, was meine Telefonrechnung für Auslandsgespräche drastisch reduziert hat. Unter "IP-Telefonie (VoIP)" steht mehr zu VoIP.

Die alte Fritzbox Fon ist als ATA geschaltet und hängt hinter dem eigentlichen Router. Wichtig ist im Router ein Portforwarding zur IP-Adresse des ATA einzurichten, damit es nicht zu Gesprächsabbrüchen kommt. Mein Portforwarding geht von 2000 bis 20000.


Eine schon angestaubte alte FritzBox Fon hängt als ATA geschaltet hinter dem Router. An dieser FritzBox sind zwei analoge Telefone angeschlossen, um kostengünstig oder gar kostenlos über das Internet telefonieren zu können.

Diese Fritzbox Fon könnte ich in Deutschland auch noch als ADSL-Modem-Router verwenden und direkt an den Splitter der Telefonleitung hängen. Aber nicht bei mir in Schweden. Denn diese FritzBox kann nur Annex B, was in Schweden, das Annex A verwendet, nicht funktioniert. Deshalb hängt bei mir ein ADSL-Modem für Annex A an der Telefonleitung. Dann kommt ein Wlan-Router, an dem die ATA und ein Switch angeschlossen ist. Die Lösung hat sich im Laufe der Zeit nach vielen Versuchen so entwickelt und hat sich bei mir als zuverlässig erwiesen.

Altes Notebook aus dem Jahr 1999 netzwerkfähig machen: Ich besitze ein altes Toshiba Notebook Satelitte Pro 4200, das mir ein freundlicher Funkamateur geschenkt hatte, der es wiederum geschenkt bekommen hatte. Dieser "alte Schlepptop" ist weder netzwerkfähig noch lässt sich der Arbeitsspeicher erweitern. Das Board mit einer 500 MHz-CPU erkennt nicht mehr als etwa 300 MByte RAM. Ursprünglich war das Notebook mit Windows 98 versehen. Windows 2000 konnte noch installiert werden. Allerdings gab es dann Probleme mit dem Soundtreiber. Für moderne Windows-Versionen ist dieses Notebook ein hoffnungsloser Fall. Zudem waren die notwendigen Windows-Treiber nicht mehr erhältlich. Also ein Fall für den Schrottplatz oder ein Computermuseum?


Ein altes Toschiba-Notebook aus dem Jahr 1999 wird dank des Linux-Betriebssystems Lubuntu 10.04 netzwerkfähig. Für den Wlan-Zugang wurde das Notebook mit einer Wlan-PCMCIA-Karte nachgerüstet. Diese Karte ragt auf der linken Seite heraus. Lubuntu hatte die notwendigen Treiber dieser PCMCIA-Karte automatisch erkannt und installiert.

Als Betriebssystem installierte ich das Lubuntu 10.04, welches mit wenig Rechenleistung und wenig Arbeitsspeicher auskommt. Dieses Lubuntu stellte alle Treiber automatisch zur Verfügung. Es fand sogar die Treiber für die eingesteckte PCMCIA-Karte. Ist das Notebook mit dieser Karte nachgerüstet, gelingt ein stabiler Wlan-Zugang. Für das Surfen ist dieses Notebook allerdings selbst mit dem mitgelieferten schlanken Chromium-Browser etwas zu langsam. Aber MP4-Filme lassen sich ruckelfrei mit VLC abspielen. Mit VLC lässt sich auch Web-Radio streamen. Hauptsächlich verwende ich das Notebook für digitale Betriebsarten im Amateurfunk. Dazu kommt Fldigi zum Einsatz, das leicht zu installieren ist. Das Notebook hat also noch einen praktischen Nutzen, obwohl es es bereits über 15 Jahre alt ist. Leider läuft auf dem alten Lubuntu kein Skype mehr. Alles lässt sich mit diesem Notebook nicht mehr bewältigen. Mehr zu Lubuntu ist unter "Linux mit Lubuntu für totale Anfänger" beschrieben.

Fazit: Alte Technik lässt sich bis zu einem bestimmten Grad noch länger als gedacht sinnvoll verwenden. Und die Beschäftigung damit macht zudem noch viel Freude. Der Experimentierfreudige findet mit geringem finanziellen Einsatz früher oder später zuverlässige Lösungen.

Fragen und Anregungen sind unter http://afu.boards.net/post/2609/thread willkommen.

 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 19. September 2015 um 12:10 Uhr
 

3. Februar 2017

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