Philips B5S81A Röhrenradio von 1958 Drucken E-Mail
Mittwoch, den 31. Juli 2013 um 11:56 Uhr

Philips B5S81A Röhrenradio von 1958 - Restaurierung und Reparatur

Auf einem Flohmarkt in der schwedischen Kleintstadt Arboga entdeckte ich durch Zufall ein Röhrenradio für etwa umgerechnet 10 Euro, das um die Hälfte reduziert war. Der Grund war ein abgebrochener Drehknopf, der nur noch an einem Streifen Klebeband hing. "Bei dem Preis kann man ja keinen Fehler begehen", dachte ich mir und nachdem ich mich vergewisserte, dass die Röhren noch vorhanden waren, packte ich das Radio in den Kofferraum.

Beschreibung / Daten:

Name: Typ B5S81A
Hersteller: Philips
Baujahr: 1958
Wellenbereiche: LW, MW, KW, UKW 87,5 - 100 MHz
Röhrenbestückung: ECC85, ECH81, EBF89, ECL82, ECL82, EM80
AM-ZF-Frequenz: 468 kHz
FM-ZF-Frequenz: 10,85 MHz
Besonderheiten: Gegentaktendstufe mit zwei ECL82

Lautsprecher: Zwei permanentdynamische Lautsprecher, der eine als Basslautsprecher in einem Resonanzkörper, der andere als Hochtöner auf der Frontseite. Der Basslautsprecher ist seitlich auf der rechten Seite. Die Lautsprecher haben eine Impededanz um die 700 bis 800 Ohm.

Bechreibung im radiomusem.org: http://www.radiomuseum.org/r/philips_b5s81a.html
Beschreibung des Reparaturverlaufs: Wumpus-Gollum-Forum


Restaurierter und reparierter Philips B5S81A, Baujahr 1958.


Radio beim Kauf. Ein kleiner Drehknopf ist abgebrochen und stellt eine Herausforderung dar.


Rechts der Basslautsprecher. Die Kratzer, die hier noch nicht enfternt worden sind, wurden später fast unsichtbar. Zuvor wurde der Lack mit Gebissreiniger gereinigt. Dadurch dunkelten die Kratzer nach und quollen etwas auf. Danach wurde die Oberfläche mit dem Möbelpflegemittel Baolin behandelt und die Kratzer waren fast nicht mehr zu erkennen.


Nach dem Aufpolieren und Reinigen des Gehäuses sind die Kratzer fast verschwunden. Gebissreiniger und Baolin haben hier fast ein Wunder vollbracht.


Eine Tablette Zahnprothesenreiniger in Wasser aufgelöst reicht für die Reinigung des gesamten Radios.


Die Tasten erinnern an ein Gebiss und wurden erfolgreich mit Gebissreiniger gereinigt, wobei die "Zahnzwischenräume" mit einem Plastikstreifen und einem Stoffläppchen erreicht werden können.


Wattestäbchen und Haushaltspapier wurden mit Gebissreiniger getränkt, um dem Holzgehäuse eine Grundreinigung zu gönnen. Die braunen Verfärbungen kommen wahrscheinlich von einer Schicht aus Tabakrauch.

Reinigung des Holzgehäuses: Die Holzoberfläche erfuhr eine Behandlung mit Gebissreinigerlösung und Haushaltspapier, welche das Holz von dem konservierende Zigarettenrauchbelag befreite. Gleichzeitig wurden die Kratzer nachgedunkelt, wodurch diese nicht mehr so auffielen. Anschließend wurde mit dem Möbelpflegemittel Baolin das Holz eingerieben und poliert. Danach vielen die Kratzer kaum mehr auf. Die Ecken erreicht man mit Wattestäbchen am besten. Das Radio ist aus dem Jahr 1958 und der Lack besteht deshalb wahrscheinlich schon aus Polyurethan. Bei älteren Lacken wäre ich mit dem Gebissreiniger vorsichtig und würde diese Lösung erst einmal an einer Ecke ausprobieren.

Reinigung des Skalenglases: Nur von außen mit Glasreiniger. Die empfindliche, bedruckte Innenseite niemals reinigen oder berühren.


Skalenglas für den schwedischen Markt.

Reinigung des Lautsprechergitters: Dieses Gitter besteht aus einem mit Kunststoff überzogenem Drahtgeflecht. Der Fliegenkot konnte leicht mit einem Wattestäbchen, das mit Gebissreiniger getränkt war, entfernt werden. Glasreiniger war hier nicht so wirksam.


Lautsprechergitter: Mit Wattestäbchen und Gebissreiniger konnte der Fliegendreck gezielt entfernt werden.

Reinigung der Bedienelemente: Die Drehknöpfe wurden mit Gebissreiniger und der Zahnbürste behandelt. Die Tasten des Tastensatzes wuden mit einem Läppchen und Wattestäbchen ebenfalls mit Gebissreiniger behandelt.

Reinigung des Netzkabels: Hier kam ebenfalls Gebissreiniger zum Einsatz. Erstaunlich, wie schmutzig Kabel sein können, vor allen Dingen, wenn sie bereits eine braune Grundfarbe besitzen.

Ausbau des Chassis: Utnere Abdeckung entfernen, um das Massekabel zur Abschirmung entfernen zu können. Die Rückwand, welche mit zwei Schrauben auf der Rückseite befestigt ist, entfernen. Die zwei hinteren Schrauben auf der Unterseite entfernen und den Resonanzkörper nach hinten herausziehen. Den Lautsprecher abklemmen und sich die Anschlüsse merken. Die vier verbleibenden unteren Schrauben des Chassis entfernen, die Zuleitung zum Höchtöner entfernen, die Anschlussbelegung aufschreiben und das Chassis vorsichtig nach hinten herausziehen. Darauf achten, dass das Skalenglas nicht beschädigt wird.

Reinigung des Chassis: Das Chassis war bereits recht sauber. Ein Vorgänger musste bereits die Röhren geputzt haben.


Rückseite.


Ausgebauter Resonanzkörper für die Basswiedergabe.


Gehäuse ohne Chassis mit dem Hochtöner auf der Front.

Reinigung der Mechanik und der mechanischen Kontakte: Alles, was sich bewegen soll, ging schwergängig, und die Potis kratzten. Mit Elektronikreinigungsspray und Tunerspray wurde die Mechanik von Harz und Dreck befreit und geschmiert. Danach ging nach ein paar Stunden Einwirkzeit wieder alles leichtgänig. Den Tastensatz hatte ich nur mit ölfreiem Elektronikreiniger gereinigt. Danach klemmten ein paar Tasten, die mit ölhaltigem Tunerspray wieder gängig gemacht werden konnten.


Chassis von oben.


Lageplan der Röhren und des Chassis von oben.


Unterseite des Chassis (für die hochauflösende Ansicht auf das Bild klicken).


Chassis von oben (für die hochauflösende Ansicht auf das Bild klicken).


Die Rückwand für den schwedischen Markt.

Reparatur der Schaltungstechnik: Das Radio brummte leicht. Der Sieb- und Ladeelko des Netzteils hatte nur noch jeweils 40 an Stelle von 50 uF. Zwei Elkos zu je 10 uF wurden parallelgeschaltet. Danach war der Brumm verschwunden. Alle Elkos wurden überprüft. Die Arbeitspunkte im NF-Teil stimmten. Kondensatoren mussten nicht getauscht werden. Ein Vorgänger hatte bereits in den 70ern oder 80ern einen Koppelkondensator getauscht. Dieser Kondensator war für die Printmontage vorgesehen. Die Oszillatorfrequenz des UKW-Teils wurde neu abgeglichen, da vorher jemand den Trimmkondensator verstellt hatte, um den Polizeifunk empfangen zu können. Das Magische Auge EM80 leuchtet nicht mehr und sollte der optischen Erscheinung wegen durch ein neues Exemplar ersetzt werden, was ich noch nachholen werde.


Zerbrochner Drehknopf mit Filzring vor der Reinigung mit Gebissreinigung.


Die zerbrochenen Drehknöpfe mit ihren Federringen nach der Reinigung mit Gebissreiniger. Die Plastikteile wurden mit UHU plast geklebt, das für Polystyrol geeignet ist.


Doppelachse für die getrennte Abstimmung von UKW und den AM-Bereichen. Die abgeflachten Achsen machten die Reparatur der steckbaren Drehknöpfe schwierig.


Bei diesem kleinen Drehknopf fehlten die Bruchstücke. Er wurde mit Heißkleber gefüllt und dann auf die Achse gesteckt (siehe Text).

Reparatur der Drehknöpfe: Sie konnten mit UHU plast, das eigentlich ein Lösungsmittel für Polystyrol ist, wieder geklebt werden. Bei dem kleinen Drehknopf für die Lautstärke links fehlten die Bruchstücke. Er wurde vorsichtig mit Heißkleber gefühlt und dann auf die Achse gesteckt. Nach dem Erkalten konnte er abgezogen werden und hatte eine passende Gegenform für die Achse. Der Heißkleber darf nicht zu heiß sein, da sich sonst das Polystyrol des Knopfes verformt. Dies ist mir im ganz geringem Maße passiert. Ein vorhergender Versuch die fehlenden Bruchstücke nachzubilden, scheiterte.

Reparatur des Tastensatzes: Nun hat sich ein anderer Fehler eingeschlichen. Es ist wieder mal fast zum Verzweifeln. Die Kontakte des Tastensatzes gehen alle einwandfrei. Aber: Wechselt man von Kurzwelle auf UKW, springt die Kurzwellentaste meistens nicht nach oben. UKW kommt dann aber einwandfrei. Es ist zwar nur ein Schönheitsfehler, der mich trotzdem stört. Habe schon viel geschmiert und gespült, was nur kurzfristig hilft. Steht das Radio auf dem Kopf, klappt das Umschalten. An der Befestigung des Chassis liegt es nicht.

Die Ursache war Verschleiß! An der Stelle, an der der Hebel der UKW-Taste auf ein Blech greift, war auf diesem eine verschleißbedingte Kerbe zu sehen. Die Stelle habe ich mit einem Klecks Lötzinn aufgebaut. 2 mm Erhöhung waren notwendig, bis die Mechanik endlich wieder zuverlässig funktionierte. Vorher hatte ich mit dem Schraubzieher probiert, wie weit dieses Blech heruntergedrückt werden muss, damit die Kurzwellentaste wieder nach oben schnappt. Ausgeschlagene Gelenke haben noch zusätzlich zu diesem Fehler beigetragen. Nach dem fünften Anlauf saß das Lötzinn an der richtigen Stelle. Den Klecks konnte ich mit der Lötkolbenspitze nach oben ziehen. Nun ist Lötzinn ein weiches Material. Deshalb habe ich mit Silikonöl die Stelle geschmiert. Zudem sind die Kräfte, die dort wirken, nicht so stark. Der Lötzinn-Abrieb auf dem Hebel wird ebenfalls schmieren. Mal sehen, wie lange es hält. 1,5 mm Abrieb sind erlaubt.


Materialauftrag mit Lötzinn auf der Gegenplatte des Hebels für UKW. Später wird ein Nagel aus Stahl darauf gelötet.

Auf der rechten Seite des Bildes sieht man den Hebel und darunter das Lötzinn auf der Gegenplatte. Der Fussel stammt vom Wattestäbchen, mit dem das Silikonöl aufgetragen wurde.

Vor dem Löten die verzinkte Stelle mit dem Schraubenzieher blank schaben und mit wenig Öl einschmieren. Lötzinn auf die Lötspitze geben und so lange auf dem Metall kratzen, bis das Lötzinn haftet und eine Wärmebrücke bildet. Danach die Lötzinnschicht aufbauen. Ich habe das gemacht ohne das Chassis auszubauen. Für mich ist eine Lötung sicherer als ein Versuch mit Zweikomponentenkleber.

Sollte das Lötzinn zu weich sein, werde ich später mal in Ruhe ein Stück Stahlnagel von 2 mm Durchmesser auf die Stelle löten. Stahl lässt sich vorher gut verzinnen, wenn es kein rostfreier Stahl ist. Für den Eingriff muss aber das Chassis ausgebaut werden.

Den Lack nochmals mit Autolackreiniger aufpoliert: den Lack habe ich noch einmal mit Autolackreiniger und Baolin aufpoliert. Der Lack ist jetzt hochglänzend geworden, wie er vielleicht einst mal war. Wahrscheinlich handelt es sich vom Glanz und der Schichtdicke nach um Polyester- oder Polyurethanlack, wie er ab Mitte der 1950er Jahre für eine hochglänzende Beschichtung eingesetzt wurde. Der ältere Nitrolack ist mit einer dünneren Beschichtung aufgetragen worden und ist etwas seidiger im Glanz. Schellack würde man mit Autolackreiniger beschädigen. Er wird dann matt. Schellack wird mit Schellack und etwas Paraffin als Polieröl mit dem Ballen aufpoliert.


Linke Seite nach der Lackreiniger-Behandlung.


Rechte Seite nach der Lackreinigerbehandlung.


Vorderansicht nach der Lackreinigerbehandlung.

Beim Aufpolieren von Polyester- oder Polyurethanlacken hat sich nun folgende Methode bei mir entwickelt, wodurch auch kleine Kratzer, die bis auf das Fournier durchgehen, kaschiert werden können beziehungsweise weniger auffallen:

1. Grundreinigung mit einer Zahnprothesenreinigerlösung (wirkt besser als Glasreinger, Wattestäbchen für die Ecken nehmen)

2. Einreiben mit dem Mobelpflegemittel Baolin (verhindert, dass sich später der weiße Lackreinger in den Kratzern festsetzt)

3. Polieren mit Autolackreiniger (Cleaner, also die feinkörnigste Variante des Schleifmittels)

4. Einreiben mit Baolin (gibt noch mehr Glanz, versiegelt feine Kratzer mit Wachs oder Paraffin)

Zum Reinigen und Polieren kommt weiches Küchenpapier zum Einsatz. Es verfärbt sich dann braun. Die nachfolgenden Bilder zeigen das Ergebnis. Der Unterschied ist leider auf den Photos nicht so gut zu sehen. Durch das Blitzlicht treten die noch vorhandenen Kratzer stärker hervor, als sie in Wirklichkeit zu sehen wären.

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 07. März 2015 um 12:25 Uhr
 

3. Februar 2017

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