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Freitag, den 27. November 2015 um 14:54 Uhr

 

Systematische Fehlersuche in alten Transistorradios und ihre Reparatur

Für viele, denen die Grundkenntnisse der elektronischen Schaltungstechnik vertraut sind, ist es ein Rätsel wie man in einem Transistorradio, das aus Hunderten von Bauteilen besteht, zügig und zielsicher das defekte Bauteil lokalisiert. Mit etwas Erfahrung und einer gewissen Beharrlichkeit gelingt dies sogar meistens ohne Schaltbild und Serviceunterlagen.

Vorbemerkungen: Die hier beschriebene Vorgehensweise gilt dem Prinzip nach auch für die Reparatur von Röhrenradios. Bei Röhrenradios stellen allerdings leckende Papierkondensatoren, verbrauchte Röhren, defekte Selengleichrichter, defekte Elkos, schlechte Kontakte, kalte Lötstellen und hochohmig gewordene Widerstände die üblichen Fehlerquellen dar.

Nicht zu vergessen sind die lebensgefährlich hohen Spannungen in den Röhrenradios. Aber auch bei netzbetriebenen Transistorradios können die hohen Netzspannungen lebensgefährlich werden! Deshalb sind zum Schutz vor elektrischen Schlägen sachkundige Vorkehrungen zu treffen (z.B. Trenntrafo, FI-Schalter).

Durch elektrostatische Aufladung können übrigens die Halbleiter selbst zerstört werden, wenn sich zum Beispiel bei trockener Heizungsluft der Teppichboden elektrisch auflädt. Auch dagegen sind besonders an sehr kalten Wintertagen Vorkehrungen zu treffen, z.B. durch das Tragen eines ESD-Bandes.

Es geht hier hauptsächlich um die Reparatur von Kofferradios, Taschenempfängern und Tischgeräten mit einigen Watt Ausgangsleistung. Die hier vorgestellte Anleitung ist weniger auf Stereoanlagen mit hohen Ausgangsleistungen (über 50 Watt Sinus) ausgerichtet, da die Endstufentransistoren und Netzteile für hohe Ströme ausgelegt sein müssen. Mit den ansonsten so hilfreichen Komponententestern lassen sich z.B. die Leistungstransistoren auf Grund der zu geringen Messströme schlecht überprüfen. Abgesehen davon gelten aber trotzdem die hier gemachten Vorschläge.

Systematische Fehlersuche: Sie beruht auf vier Stufen. Wer mehr Erfahrung gesammelt hat, kann natürlich von der nachfolgend beschriebenen Reihenfolge abweichen und mehr auf seine Intuition setzen. Er überspringt dann vielleicht den ersten und zweiten Schritt. Für den Anfänger ist es aber sinnvoll sich strenger an eine Reihenfolge zu halten.

  1. Kontaktfehler ausschließen
  2. Versorgungsspannungen überprüfen
  3. Fehlereingrenzung nach dem Blockschaltbild des Superhets
  4. Untersuchung der einzelnen Bauteile der verdächtigen Stufe

Der entscheidende Punkt dieser Methode besteht darin, dass man nach der Fehlereingrenzung nur noch relativ wenige Bauteile untersuchen muss. Dadurch ist es nicht nötig die Schaltung im Detail zu verstehen, weshalb Serviceunterlagen in vielen Fällen nicht zwingend notwendig sind. Die verdächtigen Bauteile werden auf Grund ihrer typischen Fehlerbilder und ihrer Ausfallwahrscheinlichkeit hin untersucht, was die Fehlersuche und damit die Reparatur beschleunigt.

1. Kontaktfehler ausschließen: Nach dem Öffnen des Gehäuses beginnt die Fehlersuche mit einer Sichtkontrolle nach abgerissenen Drähten und sichtbarer Korrosion durch ausgelaufene Batterien. Eine häufige Fehlerursache bei alten Radios sind korrodierte oder verschmutzte Kontakte der Tastensätze und Wellenschalter. Krachende Geräusche in Potentiometern oder beim Umschalten beruhen meistens auf Kontaktfehlern und weniger auf kalte Lötstellen. Um diese Kontaktfehler auszuschließen, sind die Potentiometer und Kontakte mit Elektronik-Kontaktspray oder HF-Tunerspray zu reinigen. Dadurch lösen sich auch Verharzungen, welche für die Schwergängigkeit von Potis, Drehkos und  Schaltern verantwortlich sind. Dabei ist mit den Sprays insbesondere bei Schiebeschaltern sparsam und gezielt umzugehen. Wenn nach diesen Maßnahmen Kontaktprobleme nahezu ausgeschlossen werden können, ergibt sich ein wesentlich klareres Bild bei der Fehlersuche.


Links eine Spraydose mit ölfreiem Electronic Cleaner, rechts zwei Dosen Kontaktspray mit hochreinem Ölzusatz für den Einsatz in HF-Schaltungen. Die Produkte habe ich seit Jahren getestet. Verharzungen sind bei mir selbst nach vielen Jahren nie aufgetreten. Ähnliche Produkte anderer Marken haben selbstverständlich vergleichbare Wirkungen.

Eine Reinigung kann das Radio ruinieren: Nach meinen leidvollen Erfahrungen für die Reinigung der Elektronik bitte keine wasserhaltigen Mittel wie zum Beispiel Glasreiniger verwenden. Bestückte Platinen, die völlig verdreckt sind, lassen sich zwar mit warmen Wasser und Spüli reinigen, es dauert aber Tage oder manchmal Wochen, bis sie wieder vollständig durchgetrocknet sind. Ein Restrisiko verbleibt immer. Die Feuchtigkeit erzeugt Kriechströme, die bei genügend hohem Strom das Leiterplattenmaterial aus Pertinax sogar verkohlen lassen, da die Feuchtigkeit duch die Kapillarwirkung in die feinen Risse des manchmal schon verwitterten Pertinax eindringt. Die Kohle bildet dann eine leitende Verbindung innerhalb der Leiterplatte, die dann ruiniert ist.

Dringt Wasser durch die Kapillarwirkung in die Wicklungen und Blechpakete der nicht vergossenen Drosseln und Transformatoren ein, führt dies zur Zerstörung dieser Bauteile, wenn beim Einschalten noch Restfeuchtigkeit vorhanden ist. Der Ersatz ist schwer zu beschaffen. 

Brennspiritus, das hauptsächlich aus Alkohol besteht, ist ebenfalls tückisch, da es die Bedruckungen auf dem Gehäuse und den Bauteilen verwischt. Die Farbringe der Widerstände verschwinden, was die Fehlersuche erschwert. Der Alkohol greift zudem manche Kunststoffe an und zerstört somit die Mechanik der Schalter. Merksatz: Alkohol ist für Radios gesundheitsschädlich.

Am besten ist es die Leiterplatten mit einem weichen Pinsel zu reinigen und dabei achtet man darauf die dünnen Drähte der Spulen und Ferritantennen nicht abzureißen.

Schlechte Massekontakte: Krachen, Brummen, wilde Schwingungen und Pfeifen haben manchmal ihre Ursache auf Grund schlechter Masseverbindungen. Dann reicht es die Schrauben, welche die Leiterplatte mit dem Metallchassis oder den Abschirmblechen verbinden zu lösen und wieder anzuziehen. Brummt das Radio dann immer noch, hat sich vielleicht irgendwo ein Abschirmgeflecht der abgeschirmten Leitungen gelöst. Um Brummschleifen zu vermeiden, sind Abschirmgeflechte immer nur an einem Ende der Leitung mit Masse verbunden.

Kunststoffgehäuse reingen: Streng genommen gehört diese Aufgabe nicht zur Reparatur. Aber wenn man das Radio bereits teilweise demontiert hat, bietet sich eine gründliche Reinigung des Gehäuses und seiner Bedienelemente an. Vorzugsweise kommen dabei Glasreiniger,  viele Wattestäbchen, Haushaltspapier und eine weiche Zahnbürste zum Einsatz. Wie man die hochglänzenden Kunststoffgehäuse eines Radios mit Autolackreiniger aufpoliert, ist unter Restaurierung eines alten und verdreckten Radioweckers beschrieben.

2. Versorgungsspannungen überprüfen: Nun werden die Betriebsspannungen überprüft, denn einwandfreie Betriebsspannungen sind die Vorraussetzung dafür, dass die übrigen Baugruppen eines Radios ebenfalls einwandfrei funktionieren können. Stimmen die Betriebsspannungen nicht, ist entweder das Netzteil defekt oder eine andere Baugruppe erzeugt einen Kurzschluss oder eine Überlastung. Eine zu niedrige Betriebsspannung kann dazu führen, dass ein Oszillator nicht anschwingt, was den Empfang verhindert. Ist bei Netzbetrieb die Siebung der Versorgungsspannung wegen eines defekten Elkos unzureichend, brummt das Radio auf allen Wellenbereichen mit einem satten Klang aus dem Lautsprecher.


Die von der Batterie oder dem Netzteil kommende Speisepannung +Ub wird zur Entkoppelung über verschiedene RC-Tiefpassfilter zu den einzelnen Stufen (U1,U2) eines Empfängers geführt. Diese Tiefpassfilter verhindern Blubbern, Pumpen und Brodeln (Motorboating), weil sie die Speisepannungen zusätzlich stabilisieren.

Entkoppelung der Speisespannungen: Siehe auch das vorangegangene Bild mit seinem Kommentar. Bei den dort abgebildeten RC-Tiefpassfiltern können die Elkos C1 bis C3 entweder Kapazitätsverlust oder weniger selten Kurzschlüsse besitzen. Bei Kapazitätsverlust treten Rückkopplungseffekte durch die schwankende Speisepannung auf, die sich durch  Blubbern, Pfeifen, Kreischen und Pumpen (Motorboating) aus dem Lautsprecher bemerkbar machen. Manchmal haben die Elkos altersbedingt auch einen zu hohen Leckstrom, der die Speisespannung der betreffenden Stufe sinken lässt, wodurch vielleicht ein Oszillator nicht mehr anschwingt, was zum Ausfall des Empfangs führt. Der Oszillator kann auch nur noch über einen Teil des Frequenzbereichs nicht mehr schwingen. Elkos haben eine hohe Eigeninduktivität. Damit auch die Hochfrequenz wirksam unterdrückt wird, sind ihnen Keramikvielschicht-Kondensatoren (C4, C5) parallel geschaltet, welche sporadische oder permanente Kurzschlüsse aufweisen können.

Haben wir uns durch eine Spannungsmessung an den Kondensatoren überzeugt, dass diese keine Kurzschlüsse erzeugen, können wir zur Probe parallel zu diesen Kondensatoren weitere Kondensatoren schalten, um die Fehlererscheinung zu beseitigen.

Ein Beispiel für Motorboating: Ein Radio fängt beim Aufdrehen der Lautstärke laut an zu Pumpen und zu Blubbern. Ursache: Die unzureichend stabilisierte Speisepannung schwankt etwas im Takt der Musikwiedergabe. Dadurch schwankt auch die Speisepannung für den Oszillator im Mischteil.  Dadurch schwankt auch die Amplitude dieses Oszillators, was nach der Demodulation auch die Niederfrequenz (das Audio-Signal, NF) beeinflusst, wodurch eine Rückkopplung entsteht, die den Pfeifton oder andere unangenehme Geräusche erzeugt. Die RC-Tiefpassfilter glätten die Speisespannungen zusätzlich und verhindern diese Effekte.

3. Fehlereingrenzung nach dem Blockschaltbild eines Superhets: Die meisten Radios sind Überlagerungsempfänger (Superhets). Voraussetzung für ein systematische Fehlereingrenzung ist, dass ich verstehe, wie ein solches Radio überhaupt organisiert ist, was unter

Wie ist ein Überlagerungs-Empfänger (Superhet) aufgebaut?

für Reparaturzwecke beschrieben ist. An diesem Wissen, das sowohl für Röhrenradios als auch für Transistorradios gilt, kommt man nicht vorbei, wenn man fachmännisch und zeitsparend vorgehen möchte.


Blockschaltbild eines Überlagerungsempfängers. Nicht eingezeichnet ist die Regelspannung (Bild-Quelle: Wikipedia).


Blockschaltbild eines typischen Superhets für UKW (FM) und AM (Lang- bis Kurzwelle). Die Bandumschaltung für die AM-Bänder ist nicht eingezeichnet. Die AFC ermöglicht das automatische Nachstellen der Frequenz auf die UKW-Station. Der mehrstufige ZF-Verstärker (Zwischenfrequenzverstärker) ist gleichzeitig für AM (etwa 9 kHz Bandbreite bei meist 455 kHz) und für UKW (etwa 200 kHz Bandbreite bei 10,7 MHz) ausgelegt und arbeitet ohne Umschaltung. Der NF-Verstärker ist der Audio-Verstärker, dier die nötige Leistungsverstärkung für den Lautsprecher erzeugt.

Mit diesem Wissen über die innere Organisationsstruktur eines Radios lässt sich schon sehr schnell eine grobe Fehlereingrenzung durchführen, in dem man überprüft, ob das Radio auf bestimmten Wellenbereichen funktioniert oder nicht. Spielt das Radio zum Beispiel nicht auf UKW, aber jedoch auf den AM-Bändern einwandfrei, dann ist es wahrscheinlich, dass das Netzteil in Ordnung ist und der NF-Teil ebenfalls. Der Fehler könnte im UKW-Tuner liegen oder auch weniger wahrscheinlich im ZF-Teil oder in der  FM-Demodulation (Ratiodetektor).


Eine Empfängerplatine eines Transistorradios aus den 70er-Jahren. Selbst ohne Schaltbild lassen sich die einzelnen Schaltungsteile eines Superhets lokalisieren. Links die Ferritantenne. Unten links der würfelförmige Drehkondensator, um den der UKW-Tuner und die selbstschwingende Mischstufe für AM angelegt ist. Links oben der NF-Verstärker. Rechts oben das Netzteil mit seinen 4 Dioden, die einen Brückengleichrichter bilden. Der große Elko rechts oben ist der Ladeelko. Links unten der ZF-Verstärker mit seinen ZF-Spulen für AM und FM. Ganz rechts der AM-Demodulator und der Ratiodetektor mit seinen zwei Dioden. So kann man sich auch ohne Serviceunterlagen ein Bild vom Aufbau machen.


Die Platine eines einfachen AM-UKW-Superhets lässt sich wie eine Landkarte lesen. Auch hier gelingt die Orientierung recht schnell. Links die Ferritantenne für Mittelwelle, links oben ein durch Verpolung zerfetzter Elko des Netzteils, rechts von ihm zwei Gleichrichterdioden des Netzteils. Links unten das UKW-Teil, was an den Luftspulen zu erkennen ist. Oberhalb davon der Drehko. Oberhalb von ihm die Oszillatorspule für AM. Rechts davon der Transistor des AM-Oszillators. Rechts unten das ZF-Teil mit seinen Filtern für AM und FM, oben der NF-Verstärker, rechts oben die zwei Dioden des Ratiodetektors.


Der Grundig Mini Boy 400 für Mittelwelle und UKW aus dem Jahr 1985 besitzt neben einem IC nur noch zwei Transistoren, die im UKW-Teil untergebracht sind. Der UKW-Tuner ist mit viel Wachs versiegelt, damit die Spulen keine Mikrofonie zeigen und damit die Temperaturstabilität besser ist. Mehr zu diesem Radio und wie man seine Leiterplatte ausbaut, steht unter Transistorradio Grundig Mini Boy 400 aus dem Jahr 1985.

Durchpiepsen mit dem Signalinjektor zur schnellen Fehlereingrenzung: Am wenigsten Nachdenken muss man bei der Fehlersuche, wenn mit einem Signalinjektor stur und Schritt für Schritt entgegen des Signalwegs das Radio „durchgepiepst“ wird. Der Signalinjektor ist ein kleiner Rechteckgenerator in einem Prüfstift, der bei etwa 1 kHz schwingt und Oberwellen bis mindestens 20 MHz erzeugt. Damit lassen sich bis auf den UKW-Tuner alle Baugruppen eines Radios überprüfen. Manche Signalinjektoren liefern auch noch genügend Oberwellen für die Überprüfung des UKW-Tuners.


Ein selbst gebauter Signalinjektor, wie er unter Signalinjektor als Prüfstift für die Radioreparatur beschrieben ist.

Den Signalinjektor müssen wir meistens noch nicht einmal mit der Masse des Radios verbinden. Manchmal reicht es den Prüfstift nur in die Nähe der Schaltungsteile zu halten. Wir schließen den Signalinjektor mit seiner Prüfspitze nacheinander am Eingang und Ausgang einer Verstärkerstufe an und vergleichen dann. Ertönt es leiser aus dem Lautsprecher, wenn die Prüfspitze am Eingang angeschlossen ist, dann ist diese Verstärkerstufe mit Sicherheit defekt und es lohnt sich sie weiter zu untersuchen.


In diesem Video von MyWumpus erklärt Rainer den Umgang mit einem Signalinjektor bei der Fehlersuche in einem Transistorradio.

Beim Durchpiepsen fangen wir entgegen der Richtung der Signalwege des Radios an. Piepst es nicht, wenn wenn wir den Signalinjektor an den Lautstärkeeinsteller anschließen, ist der NF-Verstärker wahrscheinlich defekt. Dann untersuchen wir die Stufen des NF-Verstärkers. Wir fangen bei den Endstufentransitoren an und tasten uns weiter nach vorne Richtung Lautstärekeinsteller. Dadurch können wir durch ein Auschlussverfahren sogar eingrenzen, ob der Fehler in der NF-Endstufe oder im NF-Vorverstärker liegt. Wenn überhaupt nichts aus dem Lautspecher ertönt, kann es in ganz seltenen Fällen am Lautsprecher selbst liegen. Viel größer ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass es der Koppelkondensator zum Lautsprecher ist, er an Kapazität verloren hat.

Wenn der NF-Verstärker in Ordnung ist, dann können wir mit dem Signalinjektor die Funktion des AM- oder FM-Demodulators überprüfen. Dann kommen die einzelnen Stufen des ZF-Verstärkers an die Reihe. Wir arbeiten uns Schritt für Schritt bis zur Mischstufe und zum Antenneneingang vor.

Die Reparatur eines UKW-Tuners ist etwas heikel: Oft sind die Kontakte der Trimmkondensatoren defekt, die mit Tunerspray gereinigt werden können. Kritisch ist der Austausch der Kondensatoren im Oszillatorteil, da dann die Temperaturkompensation nicht mehr gegeben ist. Die Folge ist ein unzumutbares Weglaufen der Sender. Für den Abgleich eines UKW-Tuners hilft ein kleiner käuflicher UKW-Transmitter als Prüfsender. Unter http://www.radiomuseum.org/forum/grundig_203_automatic_boy.html ist ein interessanter Reparaturfall beschrieben.


Dieser UKW-Tuner ist mit nur zwei Germanium-Transistoren aufgebaut. Die Platine sitzt auf einem Drehko für UKW und AM. Die Metallabschirmung fehlt. Unter Eine bebilderte Zeitreise durch die Technik der UKW-Tuner gibt es weitere Bilder historischer UKW-Technik.

4. Untersuchung der Bauteile in der defekten Stufe: Haben wir die defekte Stufe gefunden, kann es sich nur um wenige Bauteile handeln, die eventuell defekt sein könnten. Wir müssen deshalb die vermeintlich defekte Stufe nicht im Detail verstehen. Wir gehen dann nach der Ausfallwahrscheinlichkeit der Bauteile vor. Nach der Wahrscheinlichkeit fallen Elkos, Tantal-Elkos, keramische Vielschichtkondensatoren und Transistoren aus. Weniger wahrscheinlich sind defekte Widerstände, Dioden und Kunststofffolienkondensatoren. Nicht selten haben Leiterbahnen unsichtbare Haarrisse. Kalte Lötstellen sind auch häufig. 

Grundsätzlich sollten wir im ersten Schritt die Bauteile ohne Auslöten untersuchen. Sind wir uns ziemlich sicher, dass ein Defekt vorliegt, können die verdächtigen Bauteile dann für weitere Untersuchungn entlötet werden.

Transistoren: Die Transistoren müssen wir zur Überprüfung nicht ausbauen. Im eingeschalteten Zustand müssen zwischen zwei Pins am Basis-Emitter-Übergang bei Siliziumtransistoren etwa 0,7 Volt abfallen und bei Germaniumtransistoren etwa 0,3 Volt. Ist diese Spannung nicht festzustellen, können wir das Radio ausschalten und mit dem Diodentester des Multimeters im eingebauten Zustand des Transistors die Halbleiterübergänge testen. An ihnen müssen zwischen mindestens zwei Anschlüssen wieder etwa 0,7 beziehungsweise 0,3 Volt abfallen. Ist das nicht der Fall, hat der Transistor wahrscheinlich eine innere Unterbrechung oder seltener einen Kurzschluss. Erst dann lohnt es sich den Transistor auszulöten und auf einem Komponententester zu überprüfen.

Es gibt noch Transistorfehler, die im eingebauten Zustand nicht festzustellen sind. Zum einem kommt es nicht selten vor, dass Transistoren durch Alterung einen sehr geringen Stromverstärkungsfaktor (Beta oder B) von unter 50 erhalten, weshalb die Schaltung nicht mehr richtig funktioniert. Vor allen Dingen schwingen Oszillatoren nicht mehr an. Transistoren die weniger als ein Beta von 90 oder 100 haben, sollten ersetzt werden, wenn sie schon einmal ausgebaut sind. Zum anderen gibt es Siliziumtransistoren, die altersbedingt sehr stark rauschen. Diese sind dann auch defekt. Ein Beta über 100 ist nicht kritisch. Es spielt meistens keine Rolle, ob der Transistor als Ersatzteil ein Beta von 150 oder 300 hat, weil die Transistoren zur Arbeitspunktstabilisierung meistens mit einer mehr oder weniger starken Gegenkopplung betrieben werden.

Transistoren ersetzen: Es gibt eine unglaubliche Vielzahl von Transistotypen. Zum Glück brauchen wir sie nicht alle vorrätig haben oder bestellen. Die bipolaren Silizium-Kleinleistungs-Transistoren können, wenn sie nicht gerade im UKW-Teil sitzen,  in den allermeisten Fällen durch die weit verbreiteten Standard-Typen

BC546 bis BC555 oder 2N2222 für NPN-Transistoren und

BC556 bis BC560 oder 2N2907 für PNP-Transistoren

ersetzt werden. Defekte N-JFETs lassen sich sehr oft durch den beliebten BF245 ersetzen. Ich habe sehr oft mit Erfolg ausgeschlachtete Transistoren aus meiner Schrottkiste genommen, die ich vorher mit dem Komponententester überprüft habe. Für den Vorverstärker des Plattenspielereingang sollte man natürlich rauscharme Transistoren verwenden.

Germaniumtransistoren haben bereits Sammlerpreise. Silizium- und Germaniumtransistoren haben aber unterschiedliche Schwellenspannungen und können deshalb nicht ohne weiteres untereinander ausgetauscht werden. Grundsätzlich wäre es möglich einen Germaniumtransistor durch einen Siliziumtransitor zu ersetzen, wenn die Arbeitspunkteinstellung angepasst wird.

Dioden: Halbleiter-Dioden lassen sich auch direkt in der Schaltung im ausgeschalteten Zustand ohne Auslöten mit dem Dioden-Tester des Multimeters überprüfen. Hier müssen wieder etwa 0,7 Volt bei Silizium und etwa 0,3  Volt bei Germanium abfallen. Stimmt der Wert nicht, reicht es die Diode für eine erneute Messung einseitig auszulöten.

Handelt es sich um Gleichrichter-Dioden des Netzteils, kommt es für den Ersatz nur darauf an, dass die Gleichrichter den maximalen Strom und die maximale Sperrspannung aushalten. Bei Kofferradios mit Netzteil ist fast immer die 1N4007 ausreichend, welche für maximal 1 Ampere ausgelegt ist. Handelt es sich um kleinere Siliziumdioden, kann meistens die 1N1448 als Ersatz dienen.

Z-Dioden und Selen-Stabilisatoren: Diese können mit dem Spannungsmesser ganz einfach im laufenden Betrieb geprüft werden, da an ihnen die aufgedruckte Zenerspannung abfallen muss. Ist das nicht der Fall, ist es entweder die Z-Diode selbst oder ein anderes Bauteil in der Nähe, das defekt ist.


Das schlanke, grüne Bauteil ist ein Selenstabilisator. Ist er defekt, können sie durch Z-Dioden oder durch Serienschaltungen von Si-Dioden ersetzt werden. Diese Selenstabis haben eine Schwellenspannung von ein paar Volt und halten nur wenige mA aus.

Elektrolyt-Kondensatoren (Elkos): Sie sind recht häufig defekt. Und besonders häufig sind es gerade die kleinen. Meistens haben sie an Kapazität verloren. Seltener sind Kurzschlüsse die Ursache. Fällt an ihnen eine Spannung im Betrieb ab, haben sie natürlich keinen Kurzschluss, aber vielleicht keine Kapazität mehr. Dazu müssen wir den Elko nicht auslöten. Es reicht einen Elko auf der Leiterbahnseite parallel zu schalten, um den Fehler provisorisch zu beseitigen. Der Kapazitätswert ist meistens recht unkritisch. Brummt zum Beispiel das Radio sehr laut, dann kann das an einem defekten Ladeelko des Netzteils liegen. Wir löten dann einfach einen 1000µF-Kondensator parallel zu diesem. Ist das Brummen verschwunden oder wesentlich leiser geworden, haben wir den verdächtigen Kondensator gefunden. Der Kapazitätswert des Erstatzelkos ist auch hier relativ unkritisch. Meistens können Elkos mit doppeltem Kapazitätswert noch klaglos zum Einsatz kommen. Allerdings muss der Elko die vorgesehene Spannungsfestigkeit erfüllen oder überschreiten. Auf die richtige Polarität des Elkos ist beim Einlöten zu achten, da sonst der Elko mit einem Knall in Fetzen auseinanderfliegt.


Dieser defekte Ladeelko von 1000 µF eines Netzteils hatte plötzlich keine Kapazität mehr. Die Folge war lautes Brummen aus dem Lautsprecher. Er wurde durch einen Elko mit 2000 µF ersetzt.


Alte Elkos aus der UdSSR-Produktion in ihren silberfarbenen Metallbechern neigen oft zu Kapazitätsverlust, seltener zu Kurzschlüssen. Besonders die kleinen Kapazitätswerte sind anfällig.

Weiße Elkos aus den 70er-Jahren, welche ihres Aussehens wegen als "Schneemänner" bezeichnet werden, sind ebenfalls anfällig.

Schwarze Elkos aus der DDR mit der Bezeichnung Frolyt aus den 80er-Jahren sind zuverlässig.

Alte Elkos haben erhöhte Leckströme, die meistens nicht stören. In einem Fall aber wurde die Spannung für eine Kapazitätsdiode mit einem Elko geglättet, was zur Folge hatte, dass durch den sich ändernden Leckstrom sich die Spannung geringfügig änderte, wodurch die Frequenz wegdriftete. Der kleine Elko wurde durch einen Kunststofffolienkondensator ersetzt und das Problem war behoben.

War ein Transistorradio über Jahrzehnte nicht mehr in Betrieb, kann es in den ersten Betriebsstunden nach dem Wiedereinschalten ein sehr merkwürdiges Verhalten an den Tag legen, weil einige Elkos anfangs sehr hohe Leckströme aufweisen. Nach einem halben Tag müssten sich die meisten Elkos wieder formiert haben. Es gibt also Fälle, bei denen sich das Radio von selber repariert.

Tantal-Elkos: Diese kleinen und meist tropfenförmigen Bauteile haben in älteren Geräten eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit und erzeugen Kurzschlüsse, womit sie ganze Netzteile und Stromversorgungen lahmlegen. Ob sie einen Kurzschluss haben, lässt sich auch wieder im laufenden Betrieb vermuten, wenn an ihnen keine Spannung anliegt. Wenn das Gerät spannungslos ist, können wir mit dem Ohmmeter ohne Auslöten den Tantal-Elko untersuchen. Die Tantal-Elkos können meistens durch normale Elkos entsprechender Kapazität ersetzt werden, denen wir noch einen 100nF-Kondensator parallel schalten. Voraussetzung dafür ist allerdings, das genügend Platz vorhanden ist. Tantalelkos kommen nämlich mit wenig Platz aus.


Tropfenförmige Tantal-Elkos 22 µF / 6 Volt im Größenvergleich zu einem Streichholz. Der Pluspol sitzt übrigens rechts.

Keramikscheibenkondensatoren (keramische Vielschichtkondendensatoren): Wenn sie defekt sind, haben sie meistens Kurzschlüsse, was wieder im laufenden Betrieb festzustellen ist, weil an ihnen keine Spannung abfällt. Alternativ geht die Untersuchung mit dem Ohmmeter im spannungslosen Zustand der Schaltung. Wenn das Ohmmeter einen Summer hat, dann meldet ein Piepsen oder Summen den Defekt.


Keramische Vielschichtkondensatoren (hier ein 15nF-Exemplar), die im ehemaligen Ostblock produziert wurden, tragen ihres Aussehens wegen den Spitznamen "Rote Arbeiterfähnchen" und sind häufig für Kurzschlüsse, Prasseln und Wackelkontakte verantwortlich. Wie die Aufdrucke zu verstehen sind, steht hier.

Berüchtigt sind die roten rechteckigen Keramikscheibenkondensotoren, welche den Spitzennamen „Rote Arbeiterfähnchen“, "Rote Partisanen" oder "Brötchengeber" tragen, da sie in der ehemaligen UdSSR hergestellt wurden. Sie verursachen zeitweiliges Prasseln oder vorübergehende Kurzschlüsse, was die Fehlersuche besonders unangenehm gestaltet.

Keramikkondensatoren ind Scheiben oder Pillenform, die ein Prasseln erzeugen, lassen sich als unterstützende Maßnahme bei de Fehlersuche durch Kältespray oder durch Erwärmen lokalisieren.

Spulen und Filter: Die äußerst seltenen Drahtbrüche der Wicklungen sind natürlich auch denkbar, was wieder mit dem Ohmmeter feststellbar ist. Ein Neuabgleich der Spulen und Filter ist selten nötig, es sei denn jemand hat vorher unsachgemäß an den „Schrauben“ gedreht, um sie eventuell festzuziehen. Das ist alles schon vorgekommen. UKW-Tuner sind in alten Radios manchmal verstellt, weil versucht wurde durch wahlloses Herumdrehen an den Spulen den Polizeifunk zu empfangen.

Keramikfilter: Viele Radios aus der ehemaligen DDR und des Ostblocks zeigten einen unempfindlichen Empfang, weil ihre Keramikfilter in der ZF-Stufe ausfielen. Zur Schnellprüfung wird das verdächtige Keramikfilter mit einem Kondensator von 1 nF bis 10 nF überbrückt. Ist der Empfang dann besser, ist das Keramikfilter defekt. Es kann durch Keramikfilter anderer Hersteller ersetzt werden.

Widerstände: Die meisten Widerstände lassen sich im ausgeschalteten Zustand ohne Auslöten mit dem Ohmmeter untersuchen. Stimmt der Wert nicht, sind die beiden Messleitungen zu vertauschen, weil vielleicht ein Halbleiterübergang parallel zum Widerstand liegt. Ist die Abweichung vom aufgedruckten Widerstand größer als 20%, kann der Widerstand nach einseitigem Auslöten erneut gemessen werden. Es ist allerdings äußerst selten, dass ein Widerstand defekt ist.

Braune oder dunkle Verfärbungen an Widerständen stellen meistens noch keinen Defekt dar. Rauchwolken und schwarz verkohlte Oberflächen sind ein sicheres Zeichen für eine Überlastung. Dann ist nicht nur der Widerstand selbst defekt, sondern allermeistens noch ein anderes Bauteil, das den zu hohen Strom verursacht hat und somit den Widerstand zerstört hat.

Kalte Lötstellen: Einer kalten Lötstelle sieht man es meistens nicht an, dass sie keine leitendene Verbindung liefert.  Es ist kein großer Zeitaufwand die 10 oder 20 Lötstellen in der verdächtigen Stufe nachzulöten. Ist durch das Nachlöten der Fehler verschwunden, ist es aber nicht sicher, ob der eigentliche Fehler verschwunden ist. Durch das Löten wurden vielleicht defekte Bauteile erhitzt, die deshalb nun eine Weile wieder einwandfrei funktionieren bis der Fehler nach Tagen oder Wochen wieder auftritt.

Durchkontaktierungen: Manche Geräte besitzen als typische Fehler defekte Durchkontaktierungen, die durch Nachlöten nicht dauerhaft repariert werden können. Der Fehler lässt sich erst durch das Einlöten von Drahtstückchen endgültig beseitigen.

Leiterbahnunterbrechungen: Dieser Fehler kommt recht häufig vor. Die Unterbrechungen sind haarfein und selbst mit der Lupe nicht zu sehen. Mit dem Ohmmeter können wir sie im ausgeschalteten Zustand der Schaltung entdecken. Hier ist es besonders von Vorteil, wenn das Multimeter mit einem Piepsen den Kurzschluss akustisch meldet. Wir können die Leiterbahnunterbrechungen auch durch Klopfen,  durch Verbiegen der Leiterplatte oder mit ganz wenig Kältespray aufspüren. Defekte Leiterbahnen lassen sich mit dünnem Schaltdraht zuverlässig reparieren.

Weitere Bauteile- und Reparatur-Tipps: Mehr Tipps zu defekten Bauteilen gibt es unter

http://dampfradioforum.de/viewtopic.php?t=2700 (bebilderte Kondensatorkunde) und

http://www.wumpus-gollum-forum.de ... fehlersuche-in-transistorradios ... (gemischt).

Typische Fehler in Geräten der Firma RFT.

http://www.radiomuseum.org/forum/transistorradios_reparieren_tipps_und_tricks.html.


Drei defekte Bauteile sorgten für drei voneinander unabhängige Fehler in einem Radiowecker. Von links nach rechts: Der grüne Keramikscheibenkondensator hat einen Kurzschluss und sorgte im Netzteil für einen Totalausfall des Radios. Der Transistor in der Mitte hatte einen Kurzschluss zwischen allen drei Anschlüssen, wodurch die Weckfunktion ausfiel. Der rechte Transistor hatte eine Unterbrechung zum Kollektor, wodurch der UKW-Empfang fast unhörbar leise wurde.

Der Einsatz von Kältespray bei sporadischen oder thermisch abhängigen Fehlern: Es gibt Bauteile-Fehler, die durch Erwärmung erst nach längerer Betriebszeit auftreten. Insbesondere Halbleiter, kalte Lötstellen und Leiterbahnunterbrechungen sind davon betroffen. Hier hilft bei der Fehlersuche Kältespray, das in ganz geringen Mengen auf die verdächtigen Bauteile und Leiterbahnen gesprüht wird. Man kann das Kältespray sogar erst auf ein Wattestäbchen aufbringen und dann mit diesem Wattestäbchen die verdächtigen Bauteile berühren, was eine noch gezieltere Vorgehensweise ermöglicht. So ähnlich macht es ja der Zahnarzt, um die Vitalität der Zähne zu diagnostizieren. Es macht überhaupt keinen Sinn eine Leiterplatte großzügig mit Kältespray einzusprühen. Durch diesen Kältenschock tritt der Fehler vielleicht erst wieder nach Wochen auf. Abgesehen davon ist Kältespray teuer. In Röhrenradios hat Kältespray nach dem gesunden Menschenverstand natürlich nichts zu suchen, da die plötzliche Abkühlung die heißen Glaskolben der Röhren zerspringen lässt.

Serviceunterlagen, Schaltpläne und Datenblätter: Sie beschleunigen die Fehlersuche und Reparatur und es ist ein Segen, wenn wir eine passende Serviceanleitung im Internet finden. Es geht aber in der Not auch ohne sie. Ist das Transistorradio noch mit diskreten Bauteilen – also ohne ICs – aufgebaut, dann erkennen wir an Hand der Leiterbahnbestückung, wo sich die Schaltungsteile befinden und können so nach dem Blockschaltbild des Superhets eine systematische Fehlersuche mit dem Signalinjektor beginnen. Handelt es sich um ein Radio mit ICs, hat dies den Vorteil, dass es weniger Bauteile enthält, was die Fehlersuche vereinfacht. Es ist nicht wichtig zu wissen, wie die ICs in ihren Einzelheiten funktionieren. Es reichen die Informationen, die in den Datenblättern stehen. Dort sind auch anwendungsbezogene Schaltungen abgedruckt, die bei der  Fehlersuche helfen und nach denen sich die Entwickler in engen Grenzen gerichtet haben. Man muss nur wissen, welche Signale herein- und herauskommen. ICs sind eher selten defekt.


Diese Mess- und Prüfgeräte reichen als Grundaussstattung für fast alle Reparaturen aus. Von links nach rechts: Bauteile- und Halbleitertester, Signalinjektor als selbst gebauter Prüfstift und ein durchschnittliches Multimeter. Mit diesen Geräten lassen sich die meisten Fehler in Transistorradios aufspüren. Das Multimeter sollte mit einem Summer für die Durchgangsprüfung ausgerüstet sein, was die Fehlersuche nach Kurzschlüssen und Leiterbahnunterbrechungen erleichtert.

Mess- und Prüfgeräte: Wenige Messgeräte reichen für die meisten Reparaturen an Transistorradios aus.

Digitalmultimeter: Das mit Abstand wichtigste Messgerät ist ein Digitalmultimeter. Es sollte Dioden überprüfen können und einen Summer als Durchgangsprüfer besitzen, der bei Kurzschluss oder wenigen Ohm piepst, weil dies das Ablesen erspart.

Selbst die billigsten Multimeter für 5 Euro besitzen eine Messgenauigkeit, die für die Reparatur mehr als ausreichend ist. Es lohnt sich nicht viel Geld für eine hohe Messgenauigkeit auszugeben. Aber Multimeter mit einer sehr großen Anzeige, die deshalb etwas mehr Geld kosten, erleichtern die Arbeit, weil dies das  Ablesen vereinfacht. Und mit den Jahren werden die Augen immer schlechter (und die Bauteile immer kleiner). Übrigens hilft viel Licht, das von mehreren Seiten kommt, beim Arbeiten.

Ich vermeide es nach Möglichkeit die Ströme direkt zu messen, weil dadurch Leitungen aufgetrennt werden müssen. Vergisst man das Multimeter wieder von Strom- auf Spannungsmessung umzschalten, richtet man durch den Kurzschluss Unheil in der Schaltung an und zerstört vielleicht sein Multimeter. Besser und schneller ist es die Ströme indirekt über den Spannungsabfall der Widerstände zu messen. Dazu müssen wir meistens noch nicht einmal das Ohmsche Gesetz für die Umrechnung bemühen. Fällt nämlich an einem Widerstand überhaupt keine Spannung ab oder fast die ganze Betriebsspannung, ist es plausibel, dass wahrscheinlich ein Fehler vorliegt. Liegt an einem Elko keine Gleichspannung an, muss aller Wahrscheinlichkeit nach auch ein Fehler vorliegen.

Rutscht man beim Messen mit der Messspitze ab, besteht auch die Gefahr durch einen Kurzschluss weitere Fehler im Radio zu erzeugen. Deshalb habe ich die Messspitze teilweise mit Schrumpfschlauch isoliert und auf die Spitze eine kleine Kerbe eingefeilt, die das Abrutschen von Drähten erschwert.

Signalinjektor: Er dient wie bereits beschrieben zum „Durchpiepsen“ der Schaltungen. Diesen kann man sich selber bauen, wie ich es unter Signalinjektor als Prüfstift für die Radioreparatur beschrieben habe. Das Praktische an einem Signalinjektor ist zudem, dass man bei der  Fehlersuche nichts ablesen muss, sondern nach Gehör gehen kann.


Ein selbst gebauter Signalinjektor hat sich bei mir zum unverzichtbaren Hilsmittel entwickelt.

Komponententester: Dieses praktische Hilfsmittel kostet aus der chinesischen Bucht inzwischen nur um die 20 Euro und ist eigentlich unverzichtbar, weil es viele Prüfgeräte in einem ersetzt. Mit den meisten Multimetern lassen sich zwar auch Transistoren testen. Allerdings können diese die Pinbelegung nicht automatisch erfassen. Ein Komponententester erspart sehr viel Zeit und Konzentration bei der Arbeit.


Komponenententester: Ein Bauteil wird als PNP-Transistor erkannt. B ist der Stromverstärkungsfaktor. Uf ist die Schwellenspannung zwischen Basis und dem Emitter. Es handelt sich demnach um einen Siliziumtransistor.

Altes intaktes Kofferradio als Prüfgerät: Ob der Oszillator schwingt, lässt sich mit einem anderen Radio überprüfen, mit dem wir die Oszillatorfrequenz empfangen. Wir müssen nur wissen, dass der Oszillator auf AM um etwa 455 kHz höher als die Empfangsfrequenz schwingt und auf UKW um 10,7 MHz höher schwingt. Stellen wir zum Beispiel das defekte Radio auf 90 MHz ein und halten das andere Radio dicht daneben, dann muss es auf 100,7 MHz piepsen oder weniger rauschen, wenn der zu untersuchende Oszillator schwingt.


Mit Hilfe eines UKW-Koffer-Radios aus den 70er- oder 60er-Jahren lassen sich UKW-Tuner testen. Dazu ist der UKW-Tuner mit dem FM-ZF-Eingang des Kofferradios verbunden. Im Vordergrund ist ein mit einer Röhre bestückter UKW-Tuner aus den 50er-Jahren zu sehen.

Ein altes Kofferradio lässt sich auch sehr gut als Prüfgerät für die weitere Fehlersuche nutzen. Sind wir nicht sicher, ob der Fehler im UKW-Teil liegt, können wir ersatzweise den UKW-Tuner des intakten Radios anschließen. Mit dem NF-Teil des intakten Radios lässt sich überprüfen, ob an den Ausgängen des AM- oder FM-Demodulators eine Niederfrequenz anliegt. Wir können den ZF-Verstärker damit überprüfen, in dem wir den Eingang des intakten AM- oder FM-Demodulators mit den einzelnen Stufen des zu untersuchenden ZF-Verstärkers verbinden, um nur einige Möglichkeiten zu nennen.


 Für den Neuabgleich verstellter Oszillatoren in UKW-Tunern hat sich als Prüfsender ein handelsüblicher und legaler FM-Transmitter bewährt, wenn sich wie bei diesem Modell die Frequenz in 100 kHz weiten Schritten einstellen lässt. Dieser FM-Transmitter wird mit einer kleinen AAA-Batterie betrieben. Über eine 3,5mm-Klinkenbuchse erhält dieser kleine Sender das NF-Stereosignal. 

Labornetzteil: Ein kleines Labornetzteil ersetzt den Batteriebetrieb. Das Netzteil muss neben der einstellbaren Ausgangsspannung unbedingt eine einstellbare Strombegrenzung besitzen, damit Kurzschlüsse keine Schäden verursachen können. Zudem müssen im Netzteil parallel zu den Gleichrichtern des Brückengleichrichtes Kondensatoren von etwa 20 bis 30 nF angebracht sein, um Netzbrumm auf den AM-Bändern zu vermeiden. Eventuell ist dies nachzurüsten.

Oszilloskop, Wobbler und Funktionsgenerator: In den allermeisten Fällen kommt man bei der Reparatur von Transistorradios ohne ein Oszilloskop aus. Es liefert meistens viel mehr Informationen als man überhaupt benötigt. Versuche haben zum Beispiel gezeigt, dass ein Neuabgleich eines einfachen Radios nach Gehör ebenso gut funktioniert wie bei einem Abgleich mit einem Wobbelgenerator und einem Oszilloskop.

Es ist aber auf jeden Fall sehr lehrreich mit einem Oszilloskop sehen zu können, wie eine Schaltung funktioniert. Für ein Oszilloskop muss der Einsteiger nicht viel Geld ausgeben. Es gibt als kleine Kästchen digitale Zweikanal-Speicheroszilloskope (DSOs) mit einer Bandbreite von 20 MHz für um die 60 Euro, die über die USB-Schnittstelle an einen PC anzuschließen sind. Wie man mit einem Oszilloskop arbeitet, ist in der Videoreihe "Wie arbeite ich mit einem Oszilloskop? - Eine Videoreihe" beschrieben.

HF-Tastkopf: Ein HF-Tastkopf macht aus der Hochfrequenz eine Gleichspannung, die ich mit einem DC-mV-Meter messen kann, wozu ein Multimeter in Betracht kommen kann. Den HF-Tastkopf brauche ich nur in die Nähe eines UKW- oder AM-Oszillators halten, um festzustellen, ob dieser schwingt. Würde man die Messspitze direkt am Schwingkreis des Oszillator berühren, reißt die Schwingung durch die Belastung meistens ab.


Der HF-Tastkopf ermöglicht das Aufspüren von HF-Signalen und hat seinen Platz in der Verpackung eines Fieberthermometers gefunden.


Die Schaltung des HF-Tastkopfes mit zwei  Germanium-Dioden. C19 sollte eine hohe Spannungsfestigkeit besitzen, falls Röhrenradios damit untersucht werden.

Schließe ich den HF-Tastkopf an einen NF-Verstärker an, habe ich einen Signalverfolger, der ein amplitudenmoduliertes HF-Signal hörbar macht. Mit einem Signalverfolger lässt sich ein Radio von der Antenne beginnend bis zum Lautsprecher durchprüfen, wenn am Antenneneingang ein Signalgenerator angeschlossen ist.  Als Signalgenerator kann ein Prüfsender oder der der bereits erwähnte Signalinjektor dienen. Unter Signalverfolger für NF und HF gibt es die Bauanleitung für den HF-Tastkopf und den Signalverfolger.

 

Wie öffne ich das Radio? Da muss man manchmal erst überlegen. Unter "Wie baut man ein zerlegtes Radio wieder zusammen?" gibt es als Video ein Beispiel, wie ein Transistorradio zerlegt und wieder zusasammengebaut wird. Wer noch nie ein Transistorradio geöffnet hat, sollte sich das dortige Video anschauen. Beim Demontieren kommt es übrigens häufig vor, das versehentlich Drähte abgerissen werden.

Wie löte ich die Bauteile aus? Nützliche Tricks dazu werden unter "Ein- und Auslöten bedrahteter Bauteile für Reparaturzwecke" verraten.


Für den Einbau des neuen Bauteils müssen die Lötaugen frei von Lötzinn sein. Ein gespitzter Bleistift drückt das geschmolzene Lötzinn aus der Bohrung. Das Lötzinn haftet nicht an der Bleistiftspitze.

Welche Ersatzteile sollte ich auf Vorrat haben? In der Bucht oder bei Surplushändlern gibt es günstige Bauteilesortimente. Welche Halbleiter man zur Hand haben sollte, habe ich bereits beschrieben. Elkos und Scheibenkondensatoren der gängigsten Größen sollten vorrätig sind. Ein Blick in die Schaltbilder reicht aus, um abschätzen zu können, welche Werte häufig vorkommen. Sind die Kondensatoren nicht frequenzbestimmend und nicht in Filtern oder Oszillatoren untergebracht, sondern dienen sie nur zum Abblocken der Versorgungsspannungen, ist ihr Wert unkritisch. Ein 10nF-Kondensator kann in so einem Fall ohne Probleme meistens durch einen 47nF- oder 100nF-Kondensator ersetzt werden. Dieser lockere Umgang mit den Kapazitätswerten gilt auch für jene Elkos, die als Abblockkondensatoren ihren Dienst verrichten.

Räumliches Vorstellungsvermögen trainieren: Leiterplatten sind nicht durchsichtig. Beim Messen und Reparieren muss man sich also in Gedanken die Leiterbahnführung oder Bauteilebestückung der verdeckten Seite vorstellen können. Dieses Vorstellungsvermögen lässt sich sehr leicht trainieren, in dem wir uns anfangs einfache geometrische Gebilde vor unserem geistigen Auge vorstellen und wie in einer Trickfilmanimation bedächtig verdrehen lassen. Wir können das zum Beispiel mit einer Streichholzschachtel oder einem Schraubenzieher machen. Später nehmen wir einen kleinen Transistor mit seinen drei Beinchen und stellen uns mit geschlossenen Augen entspannt und fasziniert vor, wo sich beim langsamen Verdrehen die Anschlüsse für Kollektor, Emitter und Basis befinden. Stellen wir uns dabei vor, wir würden uns selbst wie ein Akrobat als "kleines Männchen" an einem der Beinchen festhalten, geht es noch besser. Wir können uns auch Buchstaben als Drahtgebilde vorstellen, die wir wieder verdrehen lassen. Besonders gut geht es mit Gegenständen, die uns gefallen. Wenn wir fortgeschritten sind, nehmen wir uns einen Spielewürfel vor. Haben wir den im  Griff, würden wir bei einem Intelligenztest sogar deutlich besser abschneiden. "Übung macht den Meister", sagt ein altes Sprichwort.

Das Ende der Radioreparaturen: Mit dem Aufkommen von hochintegrierten Schaltkreisen und der SMD-Technik war es immer schwieriger geworden Reparaturen vorzunehmen. Schaltungsunterlagen waren kaum mehr erhältlich. Vielen ICs fehlen die Aufdrucke. Manche SMD-Bauteile lassen sich ohne Beschädigung nach dem Auslöten nicht wieder einlöten. Ein Preisverfall der Konsumelektronik trug auch dazu bei, dass Reparaturen unwirtschaftlich wurden. In den 90er-Jahren mussten die meisten Radio- und Fernsehwerkstätten aufgeben. Den Beruf des Radio- und Fernsehtechnikers gibt es nicht mehr.


Ein vielleicht 5 oder 10 Jahre altes Radio. Es ist ein fast komplettes AM-FM-Radio. Hier ist die eine Bestückungsseite zu sehen. Der Tuner hat 20 Anschlüsse und benötigt noch eine PLL-Steuerung. Ohne Datenblatt besteht kaum eine Chance die Anschlussbelegung herauszufinden. Eine Reparatur ist nahezu unmöglich, da die Schaltungsunterlagen nicht aufzufinden sind.


Die andere Seite des Tuners ist mit SMD-Bauteilen übersäht. Hier hört bei fehlenden Serviceunterlagen der Bastelspaß endgültig auf und der Reparaturfrust fängt an. Übrigens habe ich diesen Tuner dann doch noch zum Spielen gebraucht, wie es unter Ausgeschlachteten UKW-Tuner eines defekten Autoradios wiederverwenden beschrieben ist.

Reparieren ist wieder im Trend: Reparieren ist nicht nur eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, bei der man viel lernt. Man macht sich selbst und anderen damit eine Freude. Eine erfolgreiche Reparatur beglückt einen mit Erfolgserlebnissen und funktionstüchtigen Gebrauchsgegenständen, die dann meistens länger halten als ein nagelneuer Ersatz, der noch Geld gekostet hat. Das Reparieren ist im Trend, wie es bereits die Repair-Cafes vormachen. Auch moderne Konsumelektronik und PC-Technik lässt sich oft noch reparieren, weil es sich meistens um Kleinigkeiten handelt wie abgerissene Drähte, kalte Löstellen, Wackelkontakte, defekte Schalter, Kontaktproblemen an Steckern und Buchsen, defekte Elkos in Schaltnetzteilen und auf den Mainboards ( siehe PC-Elkos tauschen ). Es gibt also weiterhin viel zu tun.

Reparaturberichte: Wer seine erfolgreiche Reparatur in den Foren oder auf seinen eigenen Seiten mit der genauen Angabe des Gerätetyps möglichst nachvollziehbar beschreibt, leistet anderen einen großen Gefallen bei der Fehlerbehebung, denn viele Fehler sind für bestimmte Geräte typisch. Schließlich kann man von anderen immer etwas lernen. Deshalb lohnt es sich im Internet nach Reparaturberichten zu suchen, wobei dieses gemeinschaftliche Prinzip nur durch Geben und Nehmen funktioniert.
 

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 12. Dezember 2015 um 13:05 Uhr
 

3. Februar 2017

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