Transistorradio Grundig Mini Boy 400 Drucken E-Mail
Donnerstag, den 03. Dezember 2015 um 10:02 Uhr

 

Transistorradio Grundig Mini Boy 400 aus dem Jahr 1985

Anbei ein paar Bilder des Grundig Mini Boy 400, einem batteriebetriebenen Transistorradio für Mittelwelle und UKW aus dem Jahr 1985. Zudem zeige ich hier den Ein- und Ausbau der Leiterplatte. Es waren nur ein paar Kleinigkeiten zu reparieren. Das Radio leistet mir gute Dienste bei Stromausfällen, da es wenig Strom verbraucht.

Viel war am dem Radio nicht zu reparieren. Durch eine ausgelaufene Batterie war eine Kontaktfeder der Batteriehalterung korrodiert, die ich mit der Klinge eines Schraubenziehers blank kratzen musste, damit wieder der Kontakt gegeben war. Der Draht zur UKW-Antenne war abgebrochen und musste nur angelötet werden. Das Radio war viele Jahre nicht im Betrieb und spielte auf Anhieb. Sollte das Radio nach vielen Jahren der Bertriebspause nicht einwandfrei spielen, reicht es oft das Radio mehrere Stunden zu betreiben, damit sich die Elkos wieder formieren können.

An diskreten Halbleitern besitzt dieses Radio nur zwei Transistoren 2SC1417 (austauschbar durch BF241), die im UKW-Tuner ihre Arbeit verrichten. Den Rest erledigt das IC HA12402, das auch für die 200 mW Ausgangsleistung des integrierten Audioverstärkers sorgt. Das Datenblatt des HA12402 liefert auch ein Schaltbild als Applikationsschaltung, welche bei der Reparatur des Radios hilfreich ist.

4 in Reihe geschaltete AA-Batterien (Mignon) sorgen für eine Speisespannung von etwa 6 Volt. Wiederaufladbare NiMH-Akkus, die es zum damaligen Zeitpunkt der Herstellung noch nicht auf dem Massenmarkt gab, können auch zum Einsatz kommen.

Beschreibungen und technische Daten:

- http://www.welt-der-alten-radios.de/ausstellung-transistorradios-2-614.html

- http://www.radiomuseum.org/r/grundig_mini_boy_400.html

Eloxierung mit Natronlauge ausbessern: An einigen Stellen des Aluminiums war die Eloxierung verschwunden, die ich mit konzentrierter Natronlauge, die ich auf Wattestäbchen auftrug, wieder reparierte, wobei nach wenigen Minuten mit Toilettenpapier die Natronlauge abgewischt wurde. Es besteht die Gefahr von Fleckenbildung, wenn man nicht aufpasst. Dann muss die Arbeit wiederholt werden. Danach mit einem feuchten Tuch das Gehäuse abwaschen. Da Natronlauge sehr ätzend ist, ist eine Schutzbrille zu tragen. Gummihandschuhe sind zu empfehlen.


Vorderansicht. Vor der Behandlung mit Natronlauge. Der obere Teil der Zierblende aus Aluminium hat eine schadhafte Eloxierung. Die Oberfläche wirkt vergilbt.


Nach der ersten Behandlung mit Natronlauge sieht es schon besser aus.


Nach der endgültigen Behandlung mit Natronlauge.


Seitenansicht nach der endgültigen Behandlung. Die Dellen verschwinden leider nicht. Aber der Gilb ist weg.


Selbst die Macken haben jetzt denselben Glanz wie die unbeschädigten Oberflächen
.

Mit der Zeit bin ich etwas mutiger geworden. Klopapier etwas in Natronlauge tauchen. Dann die gesamte Front damit einreiben. Dann sofort mit Klopapier und reinem Wasser alles abwischen. Wenn weiße Schlieren nicht weggehen, muss nochmals mit Natronlauge gewischt werden und dann sofort mit Wasser abwischen. Den Vorgang wiederholen, bis man zufrieden ist.


Links eine Schale mit Natronlauge. Rechts die Schale mit Wasser zum Spülen. Natronlauge ist sehr ätzend. Unbedingt Schutzbrille tragen und Gummihandschuhe verwenden.

Schriftzug nachbessern: Ein beschädigter Schriftzug wurde mit Hilfe der Lupe und Edding 8000 ausgebessert. Falls Farbe daneben geht, kann sie mit einem zugespitzten Streichholz, das mit Spucke befeuchtet ist, wegradidert werden. Natürlich kommt auch dazu wieder eine Lupe zum Einsatz


Nachgebesserter Schriftzug.

Skalenglas polieren: Das Skalenglas wurde mit Bootspolitur poliert, damit feine Kratzer verschwinden. Vorher das eloxierte Aluminium abkleben. Dann mit Autolackreiniger auf Hochglanz polieren. Danach mit einer feuchen Zahnbürste das Poliermittel aus der Ritze zwischen dem Glas und dem Alublech entfernen. Dann mit einem feuchten Tuch die Polierreste entfernen.

Schwergängigen Drehko schmieren: Der Drehkondensator war so schwergängig, dass das Stationsrad durchrutschte. Deshalb entfernte ich die Platine, um an die Achse des Drehkos zu gelangen, die ich mit ölhaltigem Tunerspray schmierte.

Antennenkabel mit Schrumpfschlauch verbessern: Die beiden Lötstellen des Kabels zwischen der Platine und der Stabantenne wurden mit Schrumpfschlauch stabilisiert, damit die Lötstellen beim Entfernen des Deckels nicht brechen können. Drähte, die an Lötstellen einer Bewegung ausgesetzt sind, brechen bekanntlich leicht ab.


Damit die Lötstellen am Kabel zur Stabantenne nicht brechen, sind sie nachträglich mit Schrumpfschlauch stabilisiert.

Verbogene Stabantenne: Der Montagewinkel der Stabantenne wurde nach dem Ausbau so gebogen, dass die eingezogene Antenne wieder eng am Gehäuse anliegt.

Lautstärkepoti schmieren: Das Lautstärkepoti und der dortige Schalter wurden mit wenig Tunerspray behandelt. Sämtliche Kontakte des Batteriefaches wurden mit einem Glasfaserpinsel gereinigt.


Frontansicht nach der ersten Behandlung mit Natronlauge. Links muss noch mit Natronlauge eine Nachbehandlung erfolgen.


Seitliche Ansicht mit dem Drehknöpfen für die Stationswahl (oben) und der Lautstärke mit dem integrierten Ein-Aus-Schalter (aufgenommen vor der Behandlung mit Natronlauge).
 


Empfang des Deutschlandfunks in Schweden: Aufgenommen 150 km südwestlich von Stockholm am 3. Dezember 2015 kurz nach 8:30 MEZ mit einem Taschenradio Grundig Mini Boy 400, Bj. 1985, auf der Mittelwellenfrequenz 1269 kHz aus der Nähe von Hamburg. Bald ist es damit leider aus und vorbei, weil auch dieser Sender zum 31.12.15 endgültig abgeschaltet wird. Als Antenne diente nur die eingebaute Ferritantenne.


Rückseite mit der Umschaltung zwischen AM und FM und der 3,5 mm Klinkenbuchse für den Kopfhörer.


Typenbezeichnung auf der Rückseite.


Zum Batteriewechsel ist der rückseitige Deckel aufzuklappen.


Das IC HA12402 ist das zentrale Bauteil der gesamten Schaltung.


Der UKW-Teil besitzt 2 Transistoren und ist dick in Wachs verpackt. Oben die Ferritantenne für Mittelwelle.


Nach dem Entfernen des rückseiten Deckels erscheint die Leiterplatte.


Großansicht der Leiterplatte.


Demontage-Anleitung zum Ausbau der Leiterplatte. Beschreibung im nachfolgenden Text.

Ausbau der Leiterplatte: Zuerst vom Radio den rückseitigen Deckel des Gehäuses entfernen. Er ist mit Schnappverchlüssen befestigt. Das Radio auf eine weiche Unterlage legen. Dann den Draht zur Stabantenne vom Steckkstift auf der Leiterplatte abziehen. Die Batterien aus dem Batteriefach entfernen.

Zum Ausbauen der Leiterplatte erst den unteren Schnappverschluss mit einer Schraubendreherklinge von der Leiterplatte wegdrücken, wozu diese Klinge zwischen Leiterplatte und Gehäuse verdreht wird (grüner Pfeil). Dabei ist die Leiterplatte gleichzeitig mit dem Schraubendreher über den Schnappverschluss hinweg nach oben zu drücken.

Dann wird mit den beiden seitlichen Schnappverschlüssen an der linken Seite der Leiterplatte ähnlich verfahren (rote Pfeile), wobei wir uns erst den unteren der beiden vornehmen. Danach kann die Leiterplatte im sehr flachen Winkel nach vorne (also Richtung unterer Bildrand) aus den beiden oberen Winkelhalterungen (gelbe Pfeile) gezogen werden. Dannn die Leiterplatte seitlich nach rechts umklappen.

Damit die mit zwei Haken versehehene Drehkondensatorachse wieder in das Skalenseilrad, welches das Gegenstück bildet, einrastet, dürfen weder das Skalenseilrad noch der Drehko verdreht werden. Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Dabei genau auf die Aussparungen an den Rändern der Leiterplatte achten.


Das demontierte Radio.


Andere Ansicht nach der Demontage


Die Skalenseilführung.


Die Leiterplatte von der Lötseite. Unter dem schwarzen Bügel mit der Schraube in der Mitte sitzt der Drehko, dessen Achse bei dieser Gelegenheit mit ölhaltigem Tunerspray geschmiert werden sollte. Den schwarzen Bügel nicht verdrehen, da andernfalls der Zusammenbau nicht gelingt.

Stromversorgung: Der Grundig Mini Boy 400 kommt mit 4 AA-Zellen aus. Selbst NiMH-Akkus von je 1,2 Volt Zellenspannung liefern eine genügend hohe Spannung. Der Stromverbrauch liegt auf Mittelwelle und UKW bei 20 bis 25 mA. Die Batterien halten tage- oder wochenlang durch. Der geringe Stromverbrauch ist der große Vorteil von Empfängern für UKW und AM gebenüber batteriebetriebenen DAB+-Radios, dessen Batterien oft schon nach 6 Stunden verbraucht sind, weil die Demodulation des digitalen DAB+-Signals eine Rechenleistung benötigt, die für den hohen Stromverbrauch verantwortlich ist. Für die Informationsversorgung im Katastrophenfall ist DAB+ deshalb keine Alternative zu UKW oder AM.


4 Mignon-Batterien (AA) sorgen für einen wochenlangen Betrieb.

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 09. Dezember 2015 um 11:48 Uhr
 

3. Februar 2017

Meinen herzlichen Dank an alle Spender, die zum Weiterleben dieser Seite beitragen. Dieser Internetauftritt ist auf Spenden angewiesen, denn die Werbeeinnahmen reichen bei weitem nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Diese Seite macht keinen Gewinn. Sie kostet nur Geld.

Die Artikel schreibe ich in meiner Freizeit. Dafür achte ich beim Verfassen der Artikel darauf, dass die Leser nicht zu unnötigen Anschaffungen verführt werden. Ich setze keine Artikel hinein, die von Firmen gesponsert werden.

Ich schreibe unabhängig für Dich als Leser. Ich hoffe mit meinen Seiten Anregungen zum Basteln und Reparieren geben zu können, die im besten Fall auch Geld sparen. Zum Beispiel lassen sich viele alte Geräte relativ leicht reparieren. Das macht nicht nur Spaß. Das kann viel Geld sparen. Trage dazu bei, dass diese Seite weiterlebt und spende einen kleinen Betrag! Danke!

Volker

___________________

___________________

Bitte unterstützen Sie die Weiterentwicklung und Pflege dieser Elektronik-Bastelseite mit einer kleinen Spende. Vielen Dank!

Volker

___________________

___________________

Bitte unterstützen Sie die Weiterentwicklung und Pflege dieser Elektronik-Bastelseite mit einer kleinen Spende. Vielen Dank!

Volker

___________________

© 2009-2017 Volker Lange-Janson