Lochrasterplatinen in der Bastelpraxis Drucken E-Mail
Geschrieben von: Volker Lange-Janson   
Donnerstag, den 24. September 2009 um 07:44 Uhr

Lochrasterplatinen in der Bastelpraxis

Mit Lochrasterplatinen (Lochrasterplatten) lassen sich relativ schnell Elektronik-Schaltungen realisieren. Allerdings bestehen auch Nachteile. Im Gegensatz zur Ugly-Construction-Methode fehlen große Masseflächen. Für die SMD-Bestückung sind Lochrasteplatinen ebenfalls nicht besonders geeignet.

Wann soll man Lochrasteplatinen einsetzen? Wenn die Schaltungen aus vielen diskreten, bedrahteten Bauteilen bestehen und viele ICs in DIL-Gehäusen zum Einsatz kommen, wie dies zum Beispiel in der Digitaltechnik der 70er Jahre vorkommt. Außerdem darf die Masseverbindung nicht kritisch sein, wie dies in Hochfrequenzschaltungen der Fall ist.


Teilbestückte Lochrasterplatte.

Welchen Draht verwende ich? Ideal wäre verzinnter 0,5 mm dicker Kupferdraht. Zur Not geht auch dickerer, abisolierter Klingeldraht (keine Litzen). Je dicker der Draht, desto störrischer benimmt sich der Draht und destso schwieriger wird die Arbeit.

Die Rückseite einer Lochrasterplatine. Ich habe keine Hemmungen auch auf der Rückseite Bauteile anzubringen. Neben einem Lötaugenmuster gibt es auch Platinen mit einem Streifenraster.

Was ist der typische Fehler beim Löten? Viele kürzen die Drähte der Bauteile nach dem Löten. Durch das Abknipsen mit dem Steitenschneider entsteht eine Stoßwelle, welche haarfeine Risse in der Lötstelle erzeugt, die sich erst nach Jahren durch Ausfälle bemerkbar macht. Nach dem Kürzen der Anschlussdrähte ist die Lötstelle deshalb nochmals nachzulöten. Als Lot verwenden wir das bleihaltige Elektroniklot, weil es eine niedrigere Schmelztemperatur benötigt als das bleifreie. Dieses bleihaltige Lot ist für Reparaturzwecke und nichtkommerzielle Einzelanfertigungen erlaubt.


Nahaufnahme der Verdrahtung. Der hier verwendete Draht ist eigentlich etwas zu dick. Mit einer Lupe sollte man unerwünschte Lötbrücken aufspüren.

Eine Halterung mit Lupe ist immer nützlich und für wenige Euro erhältlich.

Lochrasterplatinen zum Experimentieren? Der Austausch von Bauteilen, die durch die Bohrungen gesteckt worden sind, ist schwierig. DIL-Gehäuse mit vielen Pins sind fast nicht mehr zu entfernen und deshalb auf Sockel zu stecken. Solche Sockel bieten aber wieder eine zusätzliche Fehlerquelle. Zum Experimentieren sind Lochrasterplatinen also auch nur bedingt geeignet. Ganz praktisch ist es allerdings eine Lochrasterplatine aufzubauen, um ein zukünftiges Layout zu testen. Auch geht der Aufbau mit einer Lochrasterplatine oft schneller als alternativ dazu eine Einzelplatine anzufertigen.

Wie werden Lochrasterplatinen bearbeitet? Sie müssen nicht zersägt werden. Viel einfacher geht es, wenn die Platten beidseitig direkt über die Bohrungen angeritzt werden, wozu ein altes Cutter-Messer verwendet werden kann. Die Bohrungen dienen dabei als Orientieurngshilfen. Über der Tischkannte kann dann die Lochrasterplatte leicht gebrochen werden. Dabei haben die Löcher eine ähnliche Funktion wie die Perforation der Briefmarken. Diese Methode wird auch in der Industrie verwendet.

Bohren: Die Bohrungen auf einer Lochrasterplatte haben einen Durchmesser von 0,8 mm, was es erforderlich macht diese für größere Bauteile aufzubohren. Dann benötigen wir noch noch 3,5-mm-Bohrungen für die Befestigung der Platine mit M3-Schrauben. Das Bohren ist besonders einfach, da die bereits vorhandenen Bohrungen als Führung dienen.

Welche Werkzeuge benötige ich? Die Minimalausstattung besteht aus Seitenschneider, Abisolierzange, Elekronikzange, Pinzette und einem geregeltem Elektroniklötkolben. Eine Biegelehre für Elektronikbauteile sollte nicht fehlen. Außerdem ist ein Platinenhalter mit Lupe ganz praktisch. Neben dem Elektroniklötzinn benötigt man noch Entlötlitze, um überschüssiges Lot entfernen zu können.


Die wichtigsten Werkzeuge, die ein Elektronik-Bastler immer greifbereit haben muss.

So ist das Werkzeug griffbereit untergebracht und das Aufräumen geht zügig.

 Ordnung und Licht für den Durchblick: Wichtig ist auch gutes Licht, das nicht nur hell sein soll, sondern auch von verschiedenen Seiten das Werkstück ausleuchtet, um eine Schattenwirkung zu vermeiden. Dazu verwende ich bis zu drei verschiedene Lampen. Die häufig verwendeten Werkzeuge sind griffbereit in Plastikschalten unterzubringen. Durch lange Sucherei kann man sich die Arbeit nur vermiesen. Deshalb besitzt man ein kleines Lager an Bauteilen, welche in Boxen mit vielen kleinen Schubladen untergebracht ist.

Wer suchet, der findet. Ohne einen geordneten Bauteilevorrat lässt sich nicht arbeiten. Von solchen Kästen kann man nie genug besitzen.


 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 24. September 2009 um 09:18 Uhr
 
© 2009 Volker Lange-Janson